Nächtliches Publikumsspektakel: Brückenträger an der A49 eingebaut

Baunatal. Arbeiter der Kirchheimer Firma Bickhardt Bau stehen um den dampfenden Säulengrill, wärmen sich auf und stärken sich mit Bratwurst. Die Nacht ist noch jung. Bis zum nächsten Morgen sollen die Träger für die neue Brücke zum Gewerbegebiet Hertingshausen über der Autobahn liegen.

Auf der von starken Scheinwerfern angestrahlten Autobahn bei Hertingshausen wartet schon ein Tieflader mit dem ersten von vier 43 Meter langen Stahlträgern, die der 600-Tonnen-Monsterkran auf die schon fertigen Beton-Widerlager beidseits der seit zwei Stunden für die Autos gesperrten A49 hieven soll. 600-Tonnen-Kran deshalb, weil der Kran selbst 100 Tonnen wiegt und ein Gewicht von 500 Tonnen heben kann. Die Arbeiter treffen konzentriert ihre Vorbereitungen, zerren an riesigen Trossen, prüfen Ösen, mächtige Haken und Stahlseile.

Dabei haben sie viele Zaungäste. Wohl mehr als 200 Schaulustige sind auf der breiten Asphaltpiste unterwegs. Eine Dame turnt an zwei Krücken über die Mittelleitplanke, alle Generationen sind vertreten. Sabine Döring aus Edermünde ist mit ihrem Sohn Moritz von Hertingshausen her über die leere Autobahn zu dem Spektakel gewandert. Moritz hat dafür sogar auf seinen Lieblingsfilm „Star Wars“ verzichtet. „So etwas sieht man ja nicht alle Tage“, sagt seine Mutter. Um sie herum fotografieren die Schaulustigen, was das Zeug hält.

Ein paar Meter weiter feiert eine Jugendgruppe aus Hertingshausen mit ein paar mitgebrachten Kästen Bier vor dem Bauzaun. „Party kann man schließlich überall machen, wo was los ist“, sagt Björn Schmidt.

A49 gesperrt: Brückenbau bei Hertingshausen mit Riesenkran

Doch die Ausdauer der vielen Schaulustigen wird auf eine harte Probe gestellt, wie bei einem Fußballspiel, bei dem kein Tor fallen will. Manchen wird es zu kalt, und sie laufen Richtung Hertingshausen zurück, bevor es spannend wird. Der Tieflader mit dem Stahlträger steht lange unbewegt auf der Autobahn. Arbeiter wuseln herum, der Motor des Riesenkrans brummt und zischt. Das stählerne Monster hat beim Publikum schnell zwei Spitznamen weg. „Heuschrecke“, sagen die einen, „Gottesanbeterin“ die anderen.

Endlich fährt der Teleskopausleger hoch in den schwarzen, sternenlosen Himmel. Und nun geht es ganz schnell. Arbeiter befestigen Taue und Trossen an dem Stahlträger, der Motor des Krans heult auf. Ein metallisches Krächzen kommt von den Tiefladern. Und plötzlich schwebt der Träger über der Autobahn, dreht und gleitet langsam in die Widerlager.

Hintergrund: Das sagt Oberbauleiter Kai Rieser

Brückenbau ist eine Spezialdisziplin, von der unsere Unternehmensgruppe eine Menge versteht. Mein Arbeitgeber, die Firma Bickhardt Bau aus Kirchheim, hat da 30 Jahre Erfahrung. Wir haben sogar schon eine Talbrücke im Thüringer Wald gebaut. Bei dem Projekt an der A49 sind wir mit 30 Mitarbeitern beteiligt. Dazu kommen Teams von drei oder vier Subunternehmen. Da weiß jeder, was er zu tun hat. Es kommt auf das perfekte Zusammenspiel von Spezialisten an. Wir bauen etwa 30 bis 40 Brücken pro Jahr. Die Konstruktion über der A49 ist eine Stahlverbundbrücke aus vorgefertigten Teilen.

Davon bauen wir sonst nur ganz wenige. Normalerweise hätten wir bei Hertingshausen eine konventionelle Betonbrücke mit einem Mittelpfeiler errichtet. Das ging hier aber nicht, weil die Mitte der Autobahn an dieser Stelle frei bleiben soll, falls mal eine Baustelle eingerichtet werden muss. Die Fertigteile der neuen Brücke haben schon eine Stahlbetondecke. Die Konstruktion wird eingeschalt und erhält obendrauf eine weitere Bewehrung aus Stahl und eine weitere Betonschicht. Der Brückenbau und die Brückensanierung haben Zukunft. Denn viele alte Bauwerke in den alten Bundesländern sind marode. (pdi)

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