Seit 90 Jahren erinnert ein Denkmal an die Opfer der Weltkriege

Namen wurden entfernt

Verwittert: Das vor 90 Jahren von der Gemeinde errichtete Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkriegs befindet sich heute in keinem guten Zustand. Foto: Brandau

Vellmar. Eine friedliche Stille umgibt den Kirchhof der etwa 600 Jahre alten Kirche in Obervellmar. Beschauliche Ruhe, eben wie auf einem Totenhof, nur manchmal unterbrochen von vorbeifahrenden Autos oder dem Läuten der Kirchenglocken. Umgeben von Lindenbäumen steht fast in der Mitte des ehemaligen Kirchhofes seit nunmehr 90 Jahren ein Denkmal.

Stein 1921 aufgestellt

Es wurde zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges 1921 aufgestellt. Nach einer Bürgerversammlung im Januar 1921 in der Gaststätte Liepelt entschied sich auch der Obervellmarer Gemeinderat zwei Monate später für das Aufstellen eines Kriegerdenkmales auf dem ehemaligen Totenhof der evangelischen Kirche von Obervellmar. Nach dem sonntäglichen Gottesdienst wurde dieses am 21. September 1921 während einer Feierstunde eingeweiht.

Auf der Vorderseite des Steines waren die 32 Namen der Männer aus der Gemeinde Obervellmar angebracht, die ihr Leben im Krieg verloren. Ihre Namen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt, die toten Väter und Söhne der Gemeinde verschwanden in der Anonymität.

Heute findet dieser Stein nur noch am Volkstrauertag geringe öffentliche Beachtung, wenn eine Delegation der Freiwilligen Feuerwehr Vellmar während der zentralen Feierstunde im Rathaus am Denkmal einen Kranz niederlegt. Für die Toten des Zweiten Weltkrieges gibt es keine Erinnerung in Form eines Gedenksteines oder Mahnmals.

Gräber weit weg

Den Angehörigen dieser Opfer bleibt es auch nach 66 Jahren selbst überlassen, eine geeignete Art der Trauerbewältigung zu finden, denn fast immer befinden sich die Gräber ihrer Angehörigen, so weit überhaupt bekannt, weit entfernt von Vellmar in fremder Erde. Die wenigen heute noch lebenden Hinterbliebenen werden sich in diesen Tagen an ihre gefallenen oder vermissten Väter und Söhne erinnern und nach dem Sinn von Kriegen fragen. (pwb)

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