Nach SPD-Wahldebakel: Erstarkte CDU will Pläne für Bürgerhaus umgehend stoppen

Nein zu Supermarkt im Saal

Gewinner: Die Forderung der CDU, den Bürgerhaussaal zu sanieren und den Supermarkt auf dem Riffer-Gelände zu bauen, hat sich ausgezahlt. Foto: Ketteritzsch

Kaufungen. Was die Kaufunger SPD bei der Wahl am Sonntag erlebte, erinnert vom Ausmaß her an das Debakel der Kasseler Genossen vor nunmehr 18 Jahren. Bei der Kommunalwahl 1993 stürzten die Sozialdemokraten in der Fuldastadt wegen der von ihnen überall aufgestellten Lollis zur Verkehrsberuhigung politisch ins Bodenlose.

In Kaufungen hat der Partei offensichtlich der Vorschlag ihres Bürgermeisters Arnim Roß, den neuen Lebensmittelmarkt im Saal des Bürgerhauses in Oberkaufungen unterzubringen, massiv Stimmen gekostet.

Die Genossen, bis 2006 noch im Besitz der absoluten Mehrheit, büßten nach dem vorläufigen Endergebnis 12,7 Prozent der Stimmen ein und landeten bei für sie blamablen 36,8 Prozent. So schlecht wie am Sonntag schnitt die Partei noch bei keiner Kommunalwahl ab.

Die Hoffnung von Roß und seinen Mitstreitern, sich von den Wählern ein Ja zu einem Supermarkt im Bürgerhaussaal zu holen, erfüllte sich nicht. Stattdessen funktionierten die Wähler den Urnengang zu einer Volksabstimmung über den Standort um. Sie sagten Nein zu einem Supermarkt in der Ortsmitte und bekräftigten damit das Ergebnis des Bürgerentscheids von 2007. Davon profitierte die CDU, die sich für die Sanierung des Bürgerhaussaals und für die Ansiedlung des Lebensmittelmarktes auf dem Riffer-Gelände einsetzt. Die Christdemokraten legten um 6,6 Prozent auf 35,8 Prozent zu und wurden - denkbar knapp hinter den Sozialdemokraten - zweitstärkste Kraft in Kaufungen. Bürgermeister Roß wollte sich am Montag noch nicht zu dem Wahlausgang äußern. Auf HNA-Anfrage kündigte er eine Stellungnahme für den heutigen Dienstag an.

CDU-Spitzenkandidat Erwin Schmidt sprach gestern von einem „Erdrutsch“, den seine Partei in diesem Ausmaß nicht erwartet habe. „Der Vorschlag von Bürgermeister Roß stand zur Abstimmung“, sagte Schmidt.

„Ein Erdrutsch.“

Erwin Schmidt CDU-Spitzenkandidat

Nun müsse schnellstens geklärt werden, was Roß in Sachen Bürgerhaussaal bereits unternommen hat. Die Supermarkt-Pläne müssten umgehend gestoppt und die Weichen für die Sanierung des Saals gestellt werden, fordert der CDU-Fraktionschef. Er setzt dabei auf die Unterstützung der Grünen, die die marode Veranstaltungsstätte ebenfalls sanieren wollen. Archivfoto:  Fischer KOMMENTAR

Von Peter Ketteritzsch

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