Goldene Konfirmation in Frommershausen: Edeltraud Wallace kam aus den USA

Ein Netz zum Auffangen

Gottvertrauen: Dass der Glaube wie ein Netz ist, in das man sich fallen lassen kann, davon sind die Goldenen Konfirmanden von Frommershausen, Gerhard Rühl, (von links) Barbara Griesel, Elvira Klein, Elke Petersen, Roswitha Wenzel, Edeltraud Wallace, Inge Heinemann, Edith König und Hans Bürger ebenso überzeugt, wie Gemeindepfarrer Johannes Stalb. Foto: Brandau

Vellmar. Neun ehemalige Schüler, die 1961 und 1962 in Frommershausen konfirmiert wurden, trafen sich jetzt zu einem Festgottesdienst anlässlich ihrer Goldenen Konfirmation. Damals waren es noch17 Jugendliche, die von Pfarrer Bodo Kienzler konfirmiert und in den Kreis der Gläubigen aufgenommen wurden.

In seiner Predigt ging Gemeindepfarrer Johannes Stalb auf die Zeit ein, als die jungen Leute noch zum Unterricht in die Nachbargemeinde Obervellmar gehen mussten. „Es war Anfang der 1960er-Jahre noch ein Weg durch freies Feld, und wenn es im Winter früh dunkel wurde, fast schon ein bisschen unheimlich“, sagte Stalb. Nicht nur der Konfirmandenunterricht fand in Obervellmar statt, sondern auch die Prüfung, zu der die Heranwachsenden noch viel auswendig lernen mussten.

Früher noch ein Lädchen

Die Konfirmation habe aber in der Heimatkirche des Dorfes Frommershausen stattgefunden.

In einem Dorf, dass damals deutlich anders ausgesehen habe, als heute. Es habe einen Laden gegeben, der von Erna Deichmann betrieben wurde und auch die Gastwirtschaft sei noch in Betrieb gewesen. Es gab eine Poststelle und ein zweigeschossiges Schulgebäude, in dessen Obergeschoss die Lehrer wohnten, berichtete der Seelsorger.

Einen Kindergarten habe es noch nicht gegeben. Am Kaiserberg, im Sechsäcker in der Kasseler Höhe und am Hopfenberg wuchsen Rüben, Kartoffeln und Getreide oder weideten Kühe. „Vieles hat sich verändert, die alte Kirche ebenso wie der Konfirmandenunterricht“, stellte Stalb fest.

Wenn es im heutigen Konfirmandenunterricht um Glauben und Vertrauen gehe, sei das so, als ob man sich in ein Netz fallen lasse, das von anderen gehalten werde. Auch wenn es manchmal schwer falle, zu vertrauen, stelle man fest, „dass das Netz trägt und einen auffängt. Auch der Glaube ist ein Netz, in das man sich fallen lassen kann“.

Die Konfirmanden von damals sind ihre Wege gegangen. Teilweise weit weg von Frommershausen, so wie Edeltraud Wallace, die 1967 noch Schomberg hieß und nach West Virginia in die USA auswanderte. Sie hatte mit über 6000 Kilometern die längste Anreise zur Goldenen Konfirmation. „Es ist für mich ein ganz besonderer Tag, vor allem, weil ich meine ehemaligen Mitkonfirmanden wieder sehen kann. Als gläubiger Mensch ist mir diese Feier wichtig“, erklärt die 65-Jährige, die noch sehr viele Gespräche führen und sich in ihrer alten Heimat noch ausgiebig umsehen möchte.

Von Werner Brandau

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