Landkreise kaufen Eon-Mitte-Netz für 620 Millionen Euro

Landkreise kaufen Eon-Mitte-Netz für 620 Millionen Euro

Kreis Kassel. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Kauf des regionalen Strom- und Gasversorgers Eon Mitte durch zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen sind am Dienstag geschaffen worden.

In Kassel tagte der Aufsichtsrat, außerdem gab es eine außerordentliche Hauptversammlung. Die Verhandlungspartner kamen zusammen, um das umfangreiche Vertragswerk zu unterzeichnen. Auch der Landkreis Kassel beteiligt sich – anders als die Stadt Kassel – an dem Versorger. Der Kreis Kassel übernimmt 12,5 Prozent der Gesellschaft mit einem Wert von 78,2 Millionen Euro.

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Bis das Versorgungsunternehmen tatsächlich ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen sein wird, werden jedoch noch einige Tage vergehen. „Wenn die letzten kommunalaufsichtsrechtlichen Genehmigungen vorliegen, können voraussichtlich in der nächsten Woche die restlichen Verträge unterschrieben und damit die Transaktion endgültig unter Dach und Fach gebracht werden“, sagte Robert Fischbach (CDU), Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und Verhandlungsführer der Kommunalaktionäre.

Mit dem Vertragsschluss gelangt das Netz wieder vollständig in öffentliche Hand, von der neuen EAM – „Energie aus der Mitte“ – werden 1,5 Millionen Menschen in Nordhessen, Südniedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Energie versorgt.

Am Montagabend hatten die Gremien der letzten vier Kreise Waldeck-Frankenberg, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und Lahn-Dill ihre Zustimmung zum Kauf gegeben und damit die Vertragsunterzeichnung erst möglich gemacht.

Hintergrund: Strom und Gas für 200 Kommunen

Über das Netz der neuen EAM werden zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen mit Strom und Gas versorgt. Insgesamt erhalten 1,5 Millionen Menschen von dem Versorger ihre Energie.

Das Stromnetz ist 45 828 Kilometer lang. Davon entfallen 23 510 Kilometer auf Niederspannung, 9749 auf Mittelspannung, 12 550 Kilometer auf Straßenbeleuchtung und 19 Kilometer auf Hochspannung. Das Gasnetz hat eine Länge von 4808 Kilometer: 3657 Kilometer Mitteldruck, 559 Kilometer Niederdruck, 592 Kilometer Hochdruck.

Etwa 1200 Beschäftigte sind auf 23 Standorte verteilt. (hog)

Die Finanzierung durch die Banken sei „endverhandelt“, sagte Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, „da gibt es keine Fallstricke mehr“. Der Kaufpreis liegt bei 620 Millionen Euro. Er wird von Banken vorfinanziert und langfristig über die Netzgewinne und die Dividende aufgebracht. Die Rendite liegt bei sieben Prozent. Die kommunalen Eigentümer wollen mit der neuen EAM ein offensives Signal für die erneuerbaren Energien vor Ort geben. „Wir wollen deutlich machen, dass wir bei der Energiewende vorankommen wollen“, sagte Kühlborn.

Die 1200 Mitarbeiter sollen von der EAM übernommen werden. Die Eon Mitte-Vertriebs GmbH bleibt im Eon-Konzern. Ziel der kommunalen Aktionäre sei es, so Fischbach, einen eigenen Vertrieb für Strom und Gas aufzubauen.

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Timon Gremmels (Niestetal), begrüßte die Überführung der Netze in kommunale Hand. Er appellierte an die Grünen, bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU in Hessen am Ziel der Erleichterung der wirtschaftlichen Betätigung festzuhalten. Die Änderung der Hessischen Gemeindeordnung sei Voraussetzung dafür, dass die Kreise auch Städte und Gemeinden an der EAM beteiligen könnten.

Von Holger Schindler

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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