Grundeigentümer an drei Straßen in Wilhelmshausen kritisieren die Gemeinde wegen Neubauabrechnung

Neubauabrechnung: Anwohnerprotest gegen hohe Beiträge

Hoher Betrag: Gerda Sauer (von links), Tochter Diana Deichmann und Schwiegersohn Jörg Deichmann müssen für zwei Grundstücke 31 306 Euro zahlen.

Fuldatal. Die Stimmung ist schlecht unter den Anwohnern von Berliner, Schlesier- und Pommernstraße in Wilhelmshausen. Geht man an ihren Grundstücken vorbei, wird deutlich, warum. In den Vorgärten stehen Schilder mit hohen Euro-Beträgen und dem Zusatz „Kein Grund zum Feiern!“

Der Protest der Hauseigentümer richtet sich gegen die von ihnen zu zahlenden Beiträge nach dem Neubau der Straßen. 31.306 Euro sollen Gerda Sauer sowie Tochter und Schwiegersohn Diana und Jörg Deichmann zahlen für zwei Grundstücke an der Berliner Straße. „Damit ist die Schulausbildung der Kinder dahin“, meint Jörg Deichmann.

Ihr Grundbesitz sei Teil ihrer Altersvorsorge, betont Charlotte Schütz. Die Selbstständige wohnt in der Pommernstraße und soll 16.900 Euro zahlen. Mit Beginn der Planungen zu Sanierung und Neubau der Straße 2009 seien die Anlieger getäuscht worden, meint die 60-Jährige. „Es gab eine Präsentation mit Diavortrag, da wurde der Eindruck vermittelt, wir könnten unsere Wünsche und Änderungsvorschläge einbringen. Die sind aber nicht berücksichtigt worden“, sagt sie.

„Über drei Jahre sind wir von der Gemeinde nicht richtig informiert, sondern schlecht behandelt worden“, kritisiert Hans Kosub, Anlieger der Schlesierstraße, der 22.000 Euro für ein Grundstück zahlen soll.

Geringfügig weniger soll Irene Knop zahlen, nämlich 19 600 Euro. Viel Geld für die Witwe und Mutter, die in Teilzeit beschäftigt ist. Es gebe auch Hauseigentümer, die arbeitslos seien und sich für die Straßengebühr verschulden müssten. „Wie soll der das Geld zurückzahlen?“, fragt sich nicht nur Knop.

Sanierung von Kanal und Wasserleitungen ja, aber die Pommernstraße hätte anschließend repariert statt neu gebaut werden sollen, meint Charlotte Schütz. Hans Kosub sieht das auch so, das wäre eine Sache der Straßenunterhaltung gewesen. Mit derart hohen Beträgen die Anwohner zu belasten, sei ein Unding. Die Gemeinde müsse ihre Satzung ändern, „solche Kosten müssen auf alle Fuldataler Bürger umgelegt werden“, meint der 71-Jährige.

Kritik gibt es auch an der Bauausführung. Kurvenführungen seien zu eng, Busse und Mülllaster müssten über die neuen Bürgersteige fahren. Auch sei vieles noch nicht fertig. Ihre Garageneinfahrt habe einen Absatz und eine Bodenwelle, sagt Heike Schilling.

Dass die Bürgermeisterin trotz aller Kritik vor Tagen zu einer Feier nach Fertigstellung der Arbeiten einlud, sei der letzte Auslöser gewesen, sagt Christa Jacob. Die Anwohner stellten die Schilder in die Vorgärten, sammelten Unterschriften und setzten einen Protestbrief auf. Dieser wurde von Heidrun Frese-Mucha stellvertretend zur Feier übergeben. An der nahm keiner der Kritiker teil.

Das sagt die Bürgermeisterin

„Dass es an der Kommunikation gemangelt habe, weise ich entschieden zurück“, sagt Bürgermeisterin Anne Werderich (FDP). Es habe im Vorfeld Anliegerversammlungen gegeben und Baubesprechungen während der Arbeiten sowie Sprechstunden ihrerseits in Wilhelmshausen.

Sicher gehe es um viel Geld für den einzelnen Eigentümer, das liege an der Größe der Grundstücke. Auch habe es keine Alternative gegeben. Die Straßen seien uralt gewesen, nach der erforderlichen Kanalsanierung habe es eine grundhafte Erneuerung geben müssen. Nur zu flicken, „dann hätten wir das alle zwei Jahre machen müssen“, sagt Werderich.

Für den Straßenbau gebe es klare Normen und bei der Berechnung der Straßengebühren Vorgaben durch die Satzung der Gemeinde. Von den 2,15 Millionen Euro entfielen 900.000 Euro auf den Bau der drei Straßen. Von dieser Summe mussten die Anlieger 50 beziehungsweise 75 Prozent übernehmen.

„Beim Aufbau der Straßen gab es keine Mitsprache durch die Anlieger, wohl aber bei der Gestaltung.“ Restarbeiten sollten bis Ende August erledigt sein. Generell sei das Projekt aber abgeschlossen. Daher habe die Gemeinde zum Fest eingeladen. Werderich: „Als Dankeschön für die ertragenen Mühen und Einschränkungen.“ (mic)

Von Michael Schräer

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