Zehn feierten nun im Baunataler Rathaus – Ruf nach doppelter Staatsbürgerschaft – Vorfreude auf Wahl

57 Neubürger erhielten deutschen Pass

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Junger Neubürger mit türkischen Wurzeln: Salim Yilmaz (Mitte) feierte mit seinen Eltern Taskin (links) und Özlem im Baunataler Stadtverordnetensaal.

Baunatal. Salim Can Yilmaz besucht die Baunataler Theodor-Heuss-Schule, er hat deutsche und türkische Freunde. Die Zukunft sieht der 13-Jährige klar vor sich: „Ich will auf jeden Fall in Deutschland bleiben, vielleicht im VW-Werk arbeiten oder bei meinem Onkel einsteigen, der eine eigene Firma hat.“

Seine Mutter Özlem sagt: „Baunatal ist unsere Heimat, wir fühlen uns hier sehr wohl.“

Die Zugehörigkeit zur Bauna-Stadt hat Salim nun mit der deutschen Staatsbürgerschaft besiegelt. Er gehört zu den 57 Neubürgern, die vergangenes Jahr den deutschen Pass erhielten. Zehn von ihnen feierten das auf Einladung der Stadt bei Flötenmusik und Schnittchen im Stadtverordnetensaal des Rathauses. „Danke, dass sie sich zur Stadt und dem Staat bekennen. Sie zeigen, dass sie sich integriert haben und hier wohl fühlen“, sagte Bürgermeister Manfred Schaub. „Bringen Sie ihre Ideen ein, ihnen stehen nun die Möglichkeiten zur Mitwirkung offen“, rief Parlamentsvorsteher Peter Lutze den Neubürgern zu.

Was die Integration betrifft, hatten Salim Yilmaz, sein jüngerer Bruder Kaan, seine Mutter Özlem und sein Vater Taskin keine Probleme. Alle vier sind in Deutschland geboren und wohnen seit 25 Jahren in der Region. Salims Eltern gehören zu zweiten Generation türkischer Gastarbeiter. Özlems Vater hat bei VW Baunatal gearbeitet, war sogar Betriebsrat. Auch ihr Mann arbeitet im Werk, in der Logistik.

Baunatal ist schon lange seine Stadt: Hans van der Zeeuw ist in Holland aufgewachsen.

Dennoch hadern die Yilmaz mit den Hürden, die beim Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft zu überwinden sind. Özlem und Taskin Yilmaz haben im Gegensatz zu ihren Kindern keinen deutschen Pass. Das bekannte auch Pelül Karahan, Chef des Ausländerbeirats während der Feierstunde. Es falle schwer, die türkische Staatsbürgerschaft für die deutsche aufzugeben, sagt Taskin Yilmaz. Schließlich habe man viele Verwandte in der Türkei, die man regelmäßig besuche. Dort erhalte man nicht gerade Beifall, wenn man sich ausbürgern lasse. Deutschland solle doch die doppelte Staatsbürgerschaft erlauben, meint der 41-Jährige.

Auch Hans van der Zeeuw (60) und seine Schwester Margaretha Elisabeth Wolf sind dieser Ansicht. Die beiden Geschwister mit deutscher Mutter und holländischem Vater sind in den Niederlanden aufgewachsen, wohnen aber seit Jahrzehnten in Baunatal, Hans arbeitete im VW-Werk. Erst vergangenes Jahr haben die Geschwister den deutschen Personalausweis beantragt. Baunatal ist ihre Heimat, doch ihre Verbundenheit mit Holland ist auch sehr stark.

Oksana Widmann freut sich, im September bei ihrem ersten Mal gleich doppelt wählen zu können, für Landtag und Bundestag. Sie habe sich zur Einbürgerung entschlossen, weil ihre erwachsene Tochter ein Jahr zuvor diesen Schritt gewagt habe, sagt die 52-Jährige, die aus Usbekistan stammt und seit sechs Jahren in Baunatal lebt.

Von Peter Dilling

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