Angst vor Konkurrenz durch A 44

Lossetalbahn: Neue Chance für das tote Gleis?

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Für 300.000 Euro ausgebaut und dann stillgelegt: Die Expressstrecke bei Kaufungen wird seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr genutzt. Fraglich ist, ob sie je reaktiviert wird.

Kaufungen / Helsa. Im Herbst 2011 kam die Expressstrecke der Lossetalbahn bei Kaufungen zu zweifelhaften Ehren: Der Steuerzahlerbund nahm den Schienenstrang in sein Schwarzbuch der öffentlichen Verschwendung auf.

Der Grund: Das Gleis der alten Waldkappeler Bahn war parallel zur Erweiterung der Straßenbahnstrecke von Kaufungen nach Hessisch Lichtenau im Jahr 2006 für 300.000 Euro ausgebaut, nach nur anderthalb Jahren aber wieder stillgelegt worden.

Die Idee, Regiotram-Züge mit Dieselhybrid-Antrieb zwecks Reduzierung der Fahrzeit an einigen Kaufunger Stationen vorbeifahren zu lassen, wurde von der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) fallen gelassen.

Fünfeinhalb Jahre, nachdem die letzte Regiotram über die Expressstrecke gerollt ist, steht deren Zukunft noch immer in den Sternen. Dabei suchen das Kasseler Verkehrsunternehmen und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) seit bald zwei Jahren erneut nach Möglichkeiten, die Fahrzeiten auf der Lossetalstrecke zu reduzieren.

Statt in 48 Minuten - dieses Ziel formulierte der NVV im Juni 2011 gegenüber der HNA - sollen die Fahrgäste künftig in weniger als 40 Minuten von Hessisch Lichtenau zum Kasseler Königsplatz gelangen.

Grund für die Überlegungen ist die drohende Konkurrenz für die Tram durch die Autobahn 44. Bei KVG und NVV befürchtet man, dass zahlreiche Fahrgäste nach der Fertigstellung der Ost-West-Verbindung von der Straßenbahn auf das Auto umsteigen könnten. In einem Gutachten, das eine Arbeitsgruppe aus KVG, NVV und den betroffenen Landkreisen Kassel und Werra-Meißner in Auftrag gegeben hat, wurden Möglichkeiten zu einer Verkürzung der Fahrzeiten untersucht. Die seit Kurzem vorliegende Expertise komme zu dem Ergebnis, „dass wenige Minuten Reduzierung möglich sind“, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad auf HNA-Anfrage.

Diese kürzere Fahrzeit würde nach Einschätzung der KVG jedoch lediglich dazu führen, dass der Fahrplan der Linie 4 besser als heute eingehalten werden könnte. Details des Gutachtens würden gegenwärtig ausgewertet, so die Sprecherin. In der Expertise wurde die Reaktivierung der Expressstrecke ebenso untersucht wie technische Änderungen an den Trams und an der Trasse.

Vor allem zwei Fragen treiben die Planer um: Stehen die Investitionen in einem angemessenen Verhältnis zu den zu erwarteten Vorteilen? Und: Überzeugt das die Kunden? Allein um die Expresstrecke wieder nutzen zu können, müsste ordentlich investiert werden: Weil keine Dieselhybrid-Züge mehr, sondern nur noch Straßenbahnen für die Linie 4 zur Verfügung stehen, müsste die Strecke elektrifiziert werden. Die Kosten bezifferte der NVV im Sommer 2011 mit 400 000 Euro. Bei dem Verkehrsverbund will man sich zu Details des Gutachtens nicht äußern. Pressesprecherin Sabine Herms: „Wir würden es begrüßen, wenn es Verbesserungen für die Kunden gäbe.“

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