Das neue Kraftwerk wächst: VW investiert 65 Millionen Euro in Baunatal

Blick auf die neuen Kühltürme: In der Anlage wird die Heizungswärme für das gesamte VW-Werk in Baunatal erzeugt. Außerdem wird ein Großteil der Stromenergie gewonnen. Im Hintergrund ist einer der alten Schornsteine zu erkennen. Benötigt werden diese kaum noch, sie bleiben aber zunächst stehen. Fotos: Kühling

Baunatal. Richtig ernst wird es am 10. Oktober: Dann wird die neue Gasturbine das erste Mal gezündet. Der 200-Tonnen-Koloss ist das Herzstück des modernisierten Kraftwerks bei VW in Baunatal.

Lesen Sie auch:

- Neues Kraftwerk im VW-Werk: Autobauer investiert bis 2012 65 Millionen Euro

- Baustart: VW investiert 65 Millionen Euro in neues Kraftwerk

32 Brenner, die ringförmig am Turbinenkopf angebracht sind, sollen an diesem Tag im Herbst erstmalig ein unter hohem Druck stehendes Gemisch aus Luft und Gas entflammen. Mit dem Generator an der Turbine will die Volkswagen Kraftwerk GmbH dann 45 Megawatt Strom erzeugen. Am Ende des Jahres soll die rund 65 Millionen Euro teure Anlage planmäßig ans Netz gehen. Seit Juli 2010 wird auf dem Werksgelände unweit der Autobahn 49 mit großem Aufwand gebaut. Das aus den 60er-Jahren stammende Kraftwerk ist veraltet, arbeitet nach Angaben der Verantwortlichen nicht mehr wirtschaftlich. Die 100 Meter hohen Backsteinschornsteine - Wahrzeichen für die gesamte Region - werden weitestgehend nicht mehr benötigt. Sie bleiben aber zunächst stehen.

Das Herzstück: Die Gasturbine wird durch 32 ringförmig angebrachte Brenner befeuert. Im Oktober werden diese für einen Test zum ersten Mal gezündet.

Unter anderem ist seit dem Baustart ein 32 Meter hohes, neues Kesselhaus entstanden. 350 Tonnen Stahl haben die Arbeiter allein für das Kesselgerüst verbaut. Darauf liegt der riesige Kessel, der von Schwertransportern in fünf Einzelteilen angeliefert wurde. „Der gesamte Kessel wiegt 600 bis 700 Tonnen“, erläutert Bauleiter Friedel Blankenfuland von der Firma Eproplan.

In dem Behälter wird mit 500 Grad heißem Abgas der Turbine Wasser für das Beheizen sämtlicher Werkshallen plus Original Teile Center verdampft. Der Dampf treibt zudem eine nachgeschaltete Dampfturbine an. Diese liefert zusätzlich zur Gasturbine weitere 30 Megawatt Strom.

Kürzlich, so berichtet der Bauleiter, hätten die Fachleute die Dichtigkeit des neuen Abhitzekessels getestet. Wasser wurde mit 200 Bar Druck in die Anlage geleitet. „Es sind keine Leckagen aufgetreten“, sagt Blankenfuland sichtlich zufrieden.

85 bis 90 Arbeiter sind täglich auf der Baustelle am VW-Kraftwerk aktiv. Überall wird gehämmert, geschraubt und geschweißt. Immer wieder treffen Transporter mit schweren Teilen ein. Der längste Lastwagen, so der Bauleiter, habe 42 Meter gemessen. „Darauf wurde die Gasturbine gebracht.“

Die Energiemenge, die mit dem neuen Kraftwerk erzeugt wird, reiche aus, um 75 Prozent des Strombedarfs im Baunataler Werk zu decken, sagt Kraftwerkschef Heinrich Nientiedt. Ein Zusammenschluss aller VW-Kraftwerke mache es möglich, 100 Prozent des Stroms für alle deutschen Standorte selbst zu produzieren.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.