Neue Regeln zur Sauenhaltung bereiten Sorgen

+
Änderungen: Für die Sauenhaltung gibt es neue Regeln.

Kreis Kassel. Das Bundesverwaltungsgericht hat kürzlich entschieden, dass Sauen – weibliche Schweine – so gehalten werden müssen, dass sie sich in ihren Kastenständen in alle Richtungen längs ausstrecken können.

Den Sauen soll es gut gehen. Aber Sauenhalter und Ferkelzüchter in der Region befürchten den verschärften Niedergang einer Branche, der es schon lange nicht mehr gut geht. 

Bernd Bollerhey

Nicht nur wegen strengerer Tierschutzvorschriften sondern auch wegen des heftigen Preisdrucks auf dem europäischen Markt. Landwirte warnen vor voreiligen Entscheidungen zur Sauenhaltung.

In den letzten 36 Jahren sei die Zahl der in Hessen gehaltenen Sauen von 131 000 auf gut 42 000 Tiere gesunken, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die Zahl der Halter sei in diesem Zeitraum von 17 000 auf 400 zurückgegangen. Im Landkreis Kassel gebe es nur noch zwischen zehn und 20 Landwirte, die Sauen halten, schätzt er. „Es lohnt sich heute nicht mehr“, sagt Manfred Albert, Landwirt aus Edertal. Er habe seinen Bestand bereits auf 250 Sauen reduziert. Seine Sauenhaltung im Wolfhager Ortsteil Bründersen hat der Bauer auf Schweinemast umgestellt.

Landwirt Bernd Bollerhey aus dem Schauenburger Ortsteil Martinhagen hat schon vor 25 Jahren die Sauenhaltung aufgegeben. „Es wird jetzt noch einiges wegbrechen. Viele Kollegen sind deprimiert“, sagt Bollerhey. Er habe von einem Landwirt, der die Sauenhaltung in Martinhagen aufgegeben habe, den Stall übernommen. Die Regeln für Sauenhaltung würden seit Jahren verschärft. Der Löwenanteil der Ferkel komme mittlerweile zu günstigeren Preisen aus dem Ausland, beispielsweise aus den Niederlanden und Dänemark. Auch Landwirt Albert sieht für den Ferkelmarkt schwarz.

„Sehr verärgert“

Erich Schaumburg

Während Albert hofft, dass die Politiker unter dem Eindruck des höchstrichterlichen Entscheids zum Tierschutz „keine Schnellschüsse“ machen und sein Veterinär auch weiterhin mit „Augenmaß“ in die Ställe schaut, ist sein Kollege Walter Müller aus Hofgeismar-Kelze persönlich gelassen. Er hat erst vor drei Jahren einen neuen Sauenstall errichtet. „Ich habe gleich extra große Kastenstände gebaut, um mir den Rücken freizuhalten“, sagt der Bauer. Für Besitzer älterer Ställe werde es schwierig. Er rechne mit einem deutlichen Rückgang der Sauenhaltung.

„Wir sind sehr verärgert über die Gerichtsentscheidung“, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Es könne nicht sein, dass Landwirte, die vor sieben oder acht Jahren ihre Ställe gebaut haben, jetzt damit rechnen müssten, vor den Kadi gezerrt zu werden.

Außerdem müsse es Bestandsschutz und lange Übergangsfristen für die Betroffenen geben. Sonst stehe die Existenz auf dem Spiel.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.