In den Nachkriegsjahren halfen die Vereinigten Staaten auch Großenritter Familien

Neue Stiefel von den Amis

Ein Care-Paket ist eingetroffen: Über solche Unterstützung aus den USA herrschte stets große Freude, zumal manchmal sogar Schokolade dabei war. Archivfoto: HNA

Baunatal. 1n unregelmäßigen Abständen erhielt das Pfarramt in Großenritte Care-Pakete mit Bekleidung und Schuhen aus Amerika, die von „Care“, einer Hilfsorganisation der amerikanischen Bevölkerung, gespendet waren. Der Inhalt wurde dann nach Hilfsbedürftigkeit an die Bevölkerung verteilt.

Ich hatte das große Glück, ein Paar braune „Ami-Schuhe“, das waren halbhohe Stiefel aus Armeebeständen, nach der Zuteilung mein eigen zu nennen.

Mein späterer Ehemann und ich wollten uns damals am Kasseler Rathaus bei Pausewang treffen – beim ausgestopften Pferd, das in dem Schaufenster stand. Dann kam ich mit den besagten Ami-Schuhen im wahrsten Sinne des Wortes die Königsstraße hochgestiefelt. Später hat er mir gestanden, dass er bei diesem Anblick eigentlich schnellstens Leine ziehen wollte.

Die Quäkerspeisung war eine Spende der amerikanischen Hilfsorganisation „Quäker“, die auch den Schulkindern der Stadt Kassel zugute gekommen ist.

Da ich zu der damaligen Zeit die Heinrich-Schütz-Schule in Kassel besuchte, kam auch ich in diesen Genuss. An jedem Schultag nach der zweiten Unterrichtsstunde erfolgte die Ausgabe der Schulspeise, welche in großen Kübeln oder Paketen angeliefert wurde. Es gab Kakao mit dicken Rosinenbrötchen, Erbsensuppe oder Kakao-Hafer-Suppe, außerdem manchmal als Sonderration Cadbury-Schokolade.

Einige aus den Klassen, die in der zweiten Unterrichtsstunde Turnen hatten, durften anschließend helfen, diese Speisen zu verteilen. Glück hatten die Schülerinnen, die bei der Turnlehrerin gut angesehen waren.

Für die Verteiler gab es natürlich eine Extra-Portion Essen und noch ein Stück Cadbury-Schokolade. Auch ich durfte einige Male beim Austeilen der Schulspeise behilflich sein.

Von Ria Ahrend

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