Landwirt baute für zwei Mio. Euro bei Sandershausen

Neuer Bauernhof mit Massage für die Milchkühe

Optimistisch: Landwirt Reiner Heinz befindet sich mit seinem neuen Bauernhof (im Hintergrund) auf der Zielgeraden. „Die Betriebe werden weniger. Aber irgendjemand muss die Milch ja liefern“, sagt der Niestetaler. Fotos: Dilling

Niestetal. Noch stehen die Liegeboxen in der riesigen hellen Halle leer, der Betonboden ist blitzsauber, die Kabel und Steuergeräte der Melkstation sind noch nicht in Betrieb. Doch sonst ist alles bereit für den Umzug.

In ein paar Wochen will Landwirt Reiner Heinz mit seinen 50 schwarz-weiß gescheckten Holstein-Friesian-Kühen auf seinen neuen Hof in Blickweite des neuen SMA-Servicezentrums auf dem Sandershäuser Berg umziehen. Zwei Millionen Euro investiert Heinz nach eigenen Angaben in die Zukunft des Familienbetriebs.

Jedes Jahr gehen der Landwirtschaft unter anderem durch Industrie- und Gewerbeansiedlungen riesige Flächen verloren, immer mehr Bauern geben auf. Außer Heinz hält kein Landwirt mehr Kühe in Niestetal. „Auch wir haben vor der Frage gestanden: Geben wir auf oder machen wir weiter?“, sagt er. Die Familie entschied sich fürs Weitermachen; vor allem, weil Sohn Michael (25) in die Fußstapfen des Vaters treten will. Doch um langfristig zu überleben, müsse der Betrieb wachsen, sagt Heinz. Und das sei auf seinem alten Hof am Ortsrand von Sandershausen nicht möglich gewesen.

Bereits vor zwölf Jahren habe die Familie mit der Gemeinde Niestetal über einen Umzug verhandelt und auch schon eine Halle nahe der A 7 gebaut. Doch dann seien die Verhandlungen gescheitert.

Massagestation: Rotierende Bürsten bereiten Kühen Wohlbehagen. Diese Anlage können die Tiere selbst in Gang setzen.

Vor gut zwei Jahren kam Heinz dann der Zufall zu Hilfe: SMA plante den Bau seiner neuen Halle an der A 7 – just da, wo der Bauer seine Halle für einen neuen Hof errichtet hatte. Die Verhandlungen mit der Solarfirma, der Hessischen Landentwicklungsgesellschaft (HLG), die den Grundstücksverkauf managte, und der Gemeinde Niestetal haben fast ein Jahr gedauert. „Das hat uns einige schlaflose Nächte bereitet“, berichtet Heinz. Am Ende konnte er den alten Hof verkaufen und auf einer Fläche, die der Größe von zehn Fußballfeldern entspricht, drei Hallen für Getreide, Maschinen und Stallungen errichten. Auf dem Dach liefert eine Fotovoltaikanlage Strom. Der neue Stall bietet Platz für 100 Milchkühe und eine Kälberaufzucht. Auf öffentliche Fördergelder hat der Bauer verzichtet, um die Architektur ganz auf seine Bedürfnisse maßschneidern zu können: kurze Wege zwischen Ställen und Melkanlage, eine große Auslauffläche für die Kühe, gute Erweiterungsmöglichkeiten und ein Zwischengeschoss, in dem Heinz vielleicht einmal ein öffentliches Café einrichten möchte.

Paradies für Kühe

Der Landwirt glaubt, dass es seine Kühe im neuen Stall besser als im alten haben werden. Gewissermaßen als Sahnehäubchen hat er rotierende Bürsten einbauen lassen. Von denen können sich die Kühe auf Knopfdruck eigenständig massieren lassen.

Reiner Heinz hat eben ein Herz für die Tiere. Darum kann er auch nicht verstehen, dass der Transport von lebenden Nutztieren quer durch die Republik erlaubt ist.

Von Peter Dilling

Fotos des neuen Bauernhofes

Massage für Milchkühe

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