Neuer Rathausplatz in Vellmar: Planer wollen Einkaufspassage abreißen

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Zusätzliches Ärztehaus: Laut Masterplan soll hier auf dem Parkplatz ein weiteres Praxiszentrum gebaut werden. Die Parkplätze sollen in eine Tiefgarage verlegt werden.

Vellmar. Ein neues Gesicht erhält Vellmars Stadtzentrum, wenn die Pläne zur Umgestaltung der veralteten City mit Fördergeldern im Zuge des Hessentags Realität werden sollten.

Den Masterplan dafür stellte jetzt die Landesgesellschaft OFB Projektentwicklung zusammen mit diversen Fachbüros den neuen Stadtverordneten und den Geschäftsleuten des Rathauplatzes vor. Und die Studie hat es in sich: Dickster Brocken ist der mögliche Abriss der Einkaufspassage und der Bau eines komplett neuen, modernen Einkaufszentrums. Geprüft wurden vier Varianten zur Umgestaltung der City.

• Die kleine Lösung sieht vor: die Sanierung von Rathaus und Parkdeck, die Modernisierung des Einkaufszentrums, die Integration der Musikschule Chroma in die Stadtbücherei, die dazu erweitert wird, und die Sanierung der Sporthalle.
• Für die mittlere Lösung kommt dazu: Einkaufszentrum und Parkdeck werden abgerissen und komplett neu gebaut. Dazu wird der Parkplatz des Ärztehauses mit einem weiteren Gebäude bebaut, um Platz für weitere Praxen und Büroräume zu schaffen. Die Parkplätze wandern in eine Tiefgarage.
• Bei der großen Lösung kommen hinzu: die Erweiterung der Verkaufsfläche des neuen Einkaufszentrums von 3700 auf 5200 Quadratmeter.
• Bei der maximalen Lösung wird die Verkaufsfläche des neuen Einkaufszentrums noch einmal auf nun 6000 Quadratmeter aufgestockt. Und: Auch das Rathaus wird abgerissen und komplett neu gebaut.

Bei ihren Empfehlungen orientierten sich Planer und Stadt mit geringen Abweichungen an der großen Lösung (siehe auch Kasten links). Dabei soll die Umsetzung der verschiedenen Projekte in Absprache mit der für den Hessentag zuständigen Staatskanzlei in Wiesbaden und vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten über den Hessentag hinaus gestreckt werden.

Die Zeitschiene, die das Fachbüro empfiehlt, sähe demnach folgendermaßen aus: Bis zum Hessentag 2013 sollen abgeschlossen sein: die Sanierung des Rathauses, der Neubau des Parkdecks, der Neubau der Musikschule Chroma und deren Integration in das erweiterte Gebäude der Stadtbücherei, schließlich die Sanierung der Sporthalle. Nach dem Hessentag sollen folgen: der Neubau des Einkaufszentrums, die Modernisierung der bestehenden Ärztehäuser und der Bau des neuen Ärztehauses auf dem heutigen Parkplatz.

Dass dies ein enormer Kraftakt werden wird, darüber sind sich alle Beteiligten klar: „Das Programm ist schon sehr sportlich angelegt“, sagt Bürgermeister Stochla. Aber damit wäre Vellmars Innenstadt auf Jahrzehnte konkurrenzfähig. Jetzt müssen die Stadtverordneten den Masterplan diskutieren, um am Ende zu entscheiden, ob solch eine große Investition über den Hessentag hinaus zu stemmen ist.

Von Stefan Wewetzer

Hintergrund: Diese Variante soll es werden

Aus den vier Planungsvarianten haben die Fachbüros diverse Bausteine herausgefiltert und diese zu einer Empfehlung zusammengefasst. Und diese sieht folgendermaßen aus:

• Das Rathaus wird saniert.

• Das Parkdeck wird als Parkhaus mit 170 Stellplätzen neu gebaut.

• Das Einkaufszentrum wird mit einer Verkaufsfläche von 5500 Quadratmetern neu gebaut. 320 Stellplätze werden über Parkdecks neu geschaffen.

• Die Ärztehäuser werden saniert, der Parkplatz wird bebaut, eine Tiefgarage angelegt.

• Neubau der Musikschule und Integration in eine erweiterte Stadtbücherei.

• Sanierung Sporthalle.

Die neue Einkaufsgalerie

Ein ganz wichtiger Grundpfeiler für Vellmars Zukunft dürfte der Neubau des Einkaufszentrums sein. Geplant sind drei Geschosse, die Erhöhung der Verkaufsfläche von 2500 auf 5500 Quadratmeter, die Schaffung von Büroräumen plus 320 Stellplätzen auf Parkdecks. Der Haupteingang würde an der Brüder-Grimm-Straße an der Haltestelle der Tram liegen. Die Gesamtfläche würde vergrößert und entlang der Brüder-Grimm-Straße bis zum Mittelring heruntergezogen. Grillstation und angrenzende Parkflächen kämen weg. Das Projekt müsste der Besitzer privat finanzieren. Geschätzte Kosten: noch unbekannt. (swe)

Das sanierte Rathaus mit neuem Eingangsbereich

Beim Rathaus (Baujahr 1976/77) entschieden sich die Planer für die Sanierung und gegen einen Abriss und Neubau, der auch geprüft worden war. Geplant ist jetzt ein neuer, gemeinsamer Eingangsbereich für die Stadtverwaltung und die Sparkasse, der Hintereingang wird behindertengerecht umgebaut. Im Erdgeschoss wird die Sparkasse ihre Filiale wegen eines neuen Konzepts verkleinern, dafür ziehen die Sozialen Dienste der Stadt ins EG. Der Bürgerservice im Foyer wird durch die Schaffung separater, verglaster Beratungsräume - Stichwort Diskretion - kundenfreundlicher. Im ersten Stock werden die Sitzungsräume und der Trauraum durch Wandteiler getrennt, sodass der Trauraum bei größeren Hochzeitsgesellschaften vergrößert werden kann. Für das „Innenleben“ des Rathauses gilt: mehr Licht und Transparenz. Die bestehende Außenfassade wird durch eine höherwertige und wartungsarme Alu-Fassade ersetzt, dazu kommen energetische Maßnahmen, die den Energieverbrauch am Ende um 50 Prozent senken sollen. Geschätzte Gesamtinvestitionskosten des geplanten Umbaus und der Gebäudesanierung: knapp 10,3 Millionen Euro. (swe)

Das neue Parkhaus

Durch den Abriss des veralteten Parkdecks (Baujahr 1978) soll über einen Neubau Platz für ein modernes Parkhaus mit 170 Stellplätzen (28 zusätzliche und breitere Plätze) und einem Aufzug geschaffen werden. Verbessert werden soll auch die Ein- und Ausfahrtsregelung. Danach soll über die Zufahrt jede Etage erreichbar sein. Nach dem Abriss könnte das freigeräumte Gelände als Zwischenlager für Baustelleneinrichtung genutzt werden. Die geschätzten Gesamtinvestitionskosten belaufen sich nach den Berechnungen der Planer auf rund 2,5 Millionen Euro. (swe)

Musikschule und Ärztehaus

Neuer Praxisraum soll im Bereich der Ärztehäuser geschaffen werden. Der angrenzende Parkplatz am Mittelring soll bebaut (ein Plus von 5000 Quadratmetern), der Parkraum in eine Tiefgarage verlagert werden. Die bestehenden Ärztehäuser werden modernisiert. Die Musikschule soll neu gebaut und in das Gebäude der dann erweiterten Stadtbücherei im Obergeschoss einziehen. Die dortige Straßenbahnhaltestelle wird in den Bau als Eingangstor zum Zentrum integriert. Das Gebäude in der Adalbert-Stifter-Straße wird in diesem Fall verkauft. Geschätzte Kosten: noch unbekannt. (swe

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