2900 Bohrpfähle in der Erde

Neues Kraftwerk im VW-Werk: Autobauer investiert bis 2012 65 Millionen Euro

Kassel/Baunatal. Das aus den 60er-Jahren stammende Kraftwerk, das mit seinen 100 Meter hohen Schornsteinen neben der Autobahn 49 ein Wahrzeichen der Region ist, ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Deshalb rüstet die VW Kraftwerk GmbH die Anlage für 65 Millionen Euro um.

Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht rund 4,5 Megawattstunden Energie pro Jahr. Die Maschinen im VW-Werk in Baunatal benötigen 2100 Megawattstunden pro Tag. Tendenz steigend. Aus diesem Grund rüstet die VW-Kraftwerk GmbH die Anlage um.

Seit Mitte Juli laufen die Arbeiten auf der Großbaustelle direkt neben dem jetzigen Kraftwerk. 2900 Bohrpfähle wurden zur Befestigung der Gebäude für Turbinen und Kessel in der Erde verankert. Wegen des großen Gewichts der Bauwerke sei diese besondere Sicherung notwendig, erläutert Mario Kirschner, Bauleiter der Firma Emmeluth.

Weithin sichtbar: Die Kräne auf der Baustelle für das neue Kraftwerk bei VW in Baunatal. Bis zu 150 Arbeiter sind hier im Einsatz.

Weithin sichtbar: Drei Hochbaukräne und einen Autokran, die das Unternehmen rund um die 3500 Quadrameter großen Baufläche platziert hat. 2500 Kubikmeter Beton und 300 Tonnen Baustahl werden laut Kirschner für das Kraftwerk benötigt. Neben den ersten Teilen für ein 34 Meter hohes Kesselhaus fällt vor allem der daneben empor ragende 36 Meter hohe Treppenturm mit integriertem Fahrstuhl ins Auge. Von dem Turm aus können die Mitarbeiter später die Ebenen der Anlage betreten.

Bis zu 135 Arbeiter seien zu Spitzenzeiten auf dem Gelände am Werk, erläutert der Bauleiter. Wegen des Wintereinbruchs seien es derzeit lediglich 35. „Wir haben sogar zwei Tage komplett ausgesetzt.“.

An zwei Stellen werde im neuen Kraftwerk Strom erzeugt, erläutert Heinrich Nientiedt, Leiter des VW-Kraftwerkes in Baunatal. Zunächst treibt eine Gasturbine einen Generatoran. Mit der dort entstehenden Hitze wird zudem Dampf für eine Dampfturbine gewonnen. Diese bedient einen zweiten Generator. Überschüssige Wärme wird zusätzlich für Heizungsenergie in den Werkshallen samt Original-Teile-Center verwendete.

Der gewonnene Strom wird nicht, wie bei vielen anderen Kraftwerken, ins allgemeine Netz eingespeist. „Was wir erzeugen, bleibt im Werksnetz“, sagt Nientiedt. „Alle Maschinen bei uns werden elektrisch angetrieben“, ergänzt VW-Pressesprecher Rudi Stassek. Besonders viel Energie wird in den Produktionsbereichen Gießerei, Härterei und Schmiede benötigt. Aber auch die vielen Maschinen, mit denen Metall zerspant wird, brauchen viel Energie. Gegenüber anderen Werken, in denen vor allem Autos zusammengesetzt werden, liegt Baunatal wegen dieser energiefressenden Produktionszweige beim Verbrauch deutlich höher.

Und so kommt es, dass selbst mit der neuen Anlage nur 75 Prozent des Energiebedarfs bei VW in Baunatal gedeckt werden. Den Rest bekomme man über das allgemeine Stromnetz quasi aus anderen VW-Standorten geliefert, erklärt der Kraftwerkleiter.

Mitte 2012 soll das neue Kraftwerk stehen. Nientiedt: „Wir sind genau im Zeitplan.“

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