Gebühren: In Ahnatal werden Regenwasser und Abwasser jetzt getrennt abgerechnet

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Will weniger Regenwasser in den Kanal einleiten: Torben Schawer vor seinem Einfamilienhaus. Um das Regenwasser vom Dach zu sammeln, soll eine Zisterne gebaut werden und der Überlauf auf dem Grundstück versickern.

Ahnatal. Ab diesem Jahr ist alles anders. Wie andere Kommunen stellt die Gemeinde Ahnatal die Berechnung der Abwassergebühren um.

Diese richten sich nicht mehr ausschließlich nach der verbrauchten Trinkwassermenge, sondern auch nach der versiegelten Fläche, von der Regenwasser in den Kanal fließt.

Dieses Abrechnungssystem findet Torben Schawer gerechter als das alte. Denn von seinem Grundstück am Kammerberg werde schließlich deutlich weniger Regenwasser Richtung Kläranlage geleitet als von Gewerbebetrieben mit Hallen, Hof- und Parkflächen. Würde allein das verbrauchte Trinkwasser als Grundlage für die Gebühr herangezogen, konnte ein Betrieb mit wenigen Beschäftigten auch auf Werte wie bei seinem Einfamilienhaus kommen.

Wie hoch seine Gebühr künftig sein wird, weiß der technische Angestellte im Bauamt der Gemeinde Espenau noch nicht. Die entsprechenden Bescheide sind von der Ahnataler Verwaltung noch nicht verschickt worden. Mit dem Thema hat sich der Hochbautechniker aber intensiv beschäftigt.

Nicht nur weil er wie alle Grundstückseigentümer gebeten wurde, Auskunft über versiegelte und nicht versiegelte Flächen zu geben. Das Haus, das er mit seiner Frau im Herbst 2010 kaufte, steht auf einem 1027 Quadratmeter großen Grundstück. Vom Dach des Hauses und zweier Garagen (rund 160 Quadratmeter) und von 40 Quadratmeter Pflasterfläche werde Regenwasser in die Kanalisation geleitet.

Für weitere 60 Quadratmetern, die rund ums Haus mit Waschbetonplatten belegt sind, falle keine Gebühr an. Denn dort fließe das Regenwasser auf Rasenflächen und versickere, sagt Schawer.

Vor den beiden Garagen liegt Ökopflaster, und vom Garagendach läuft das Regenwasser in eine 1000 Liter fassende Zisterne. Dies mindert den zu zahlenden Abwasserbetrag. Allerdings werde der Überlauf der Zisterne in den Kanal geleitet. Dadurch werde der Regenwassertank nicht voll angerechnet, sagt der Eigentümer.

Um etwas für die Umwelt zu tun und dabei auch noch Gebühren zu sparen, will der 37-Jährige noch einiges verändern. So soll eine Zisterne für das Regenwasser vom Dach des Wohnhauses gebaut werden. Der Überlauf soll auf dem Grundstück versickern. Damit würden 130 Quadratmeter versiegelter Fläche aus der Gebühren-Berechnung genommen. Und weitere Waschbetonplatten, die im Garten verlegt sind, sollen durch Ökopflaster ersetzt werden.

„Das wird sich aber noch einige Jahre hinziehen“, sagt Schawer. Schließlich fallen nach seinen Schätzungen Kosten von 13 000 Euro an, obwohl er viel selbst mache. Und: „Dieses Investitionen amortisieren sich erst über einen sehr langen Zeitraum.“ Schließlich sinke die Gebühr in einem eher überschaubaren Rahmen.

Dennoch sollten möglichst viele Hauseigentümer etwas für die Umwelt, konkret das Grundwasser, tun und möglichst wenig Regenwasser in den Kanal leiten, meint Schawer.

„Wer versiegelt, zahlt deutlich mehr“

Bürgermeister Michael Aufenanger: Mit Umstellung Gebühren erhöht – Verfahren reibungslos gelaufen

Wasserdurchlässig oder versiegelt: Zum Teil hat Schawer bereits sogenanntes Ökopflaster verlegt (vorn). Die Waschbetonplatten (hinten) sollen ausgetauscht werden.

Mit der Einführung der gesplitteten Abwassergebühr reagiert die Gemeinde Ahnatal auf die geänderte Rechtsprechung. Die neuen Beträge, die Grundstückseigentümer ab diesem Jahr zu zahlen haben, setzen sich laut Bürgermeister Michael Aufenanger aus der Menge des eingeleiteten Schmutz- und Niederschlagswassers zusammen. Für die Schmutzwassergebühr wird weiterhin das verbrauchte Frischwasser zugrunde gelegt. Pro Kubikmeter sind jetzt 2,19 Euro zu zahlen.

Hinzu kommen 0,73 Euro pro Quadratmeter befestigter Grundstücksfläche. Die bisherige Abwassergebühr, errechnet allein nach dem Frischwasserverbrauch, betrug 2,84 Euro.

Mit der neuen Berechnung habe die Gemeinde die Gebühren angepasst, sagt der Bürgermeister. Die letzte Erhöhung hatte es 2006 gegeben. Ein Fachbüro hatte festgestellt, dass die Einnahmen von 2009 bis 2011 nicht kostendeckend waren. So lief ein Fehlbetrag von insgesamt 535 000 Euro auf. Mit der Umstellung rechnet die Gemeinde mit Mehreinnahmen bei der Schmutzwasserentsorgung von jährlich 170 000 Euro.

„Wer große versiegelte Flächen hat, muss jetzt deutlich mehr zahlen“, sagt Aufenanger. Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die in Ahnatal Standard seien, profitierten von der Umstellung. Zwar könne auch deren Gebühr steigen, der zu zahlende Betrag wäre aber deutlich höher, hätte man noch die alte Berechnung, betont der Bürgermeister.

Der ist froh, dass das ganze Verfahren „sehr reibungslos gelaufen“ ist. Schließlich sei es für die Grundstückseigentümer „mit einem zum Teil hohen Aufwand verbunden gewesen“. Diese mussten auf Formularen angeben, wie viel versiegelte Fläche sie haben. Auf Basis dieser Daten will die Gemeinde die Gebührenbescheide Mitte Februar verschicken. „Einige haben schon im Vorfeld reagiert und Flächen entsiegelt, andere planen, dies zu tun, um weniger Regenwasser einzuleiten“, betont Aufenanger.

Von Michael Schraer

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