Die Solarbranche in der Region steht gehörig unter Druck: Entlassungen bei kleinen Firmen, große legen zu

Neukunden halten sich zurück

Bald ein Bild mit Seltenheitswert? Mit Aufträgen für die Installation von Fotovoltaikanlagen halten sich Privatkunden inzwischen spürbar zurück. Darunter leiden vor allem kleine Betriebe der Solarbranche. Foto:  dpa

Kreis Kassel. Die ungeklärten Förderbedingungen stellen die Solarbranche auch in unserer Region vor Probleme. Die Zurückhaltung der Kunden setzt die Firmen gehörig unter Druck.

Die Unternehmen sind dabei ganz unterschiedlich betroffen. Große Firmen wie der weltweit aufgestellte Wechselrichter-Hersteller SMA (Niestetal) und die bundesweit tätigen Lieferanten von Komplett-Lösungen wie Stiens (Kaufungen) und Kirchner (Alheim) scheinen der Krise besser gewachsen zu sein als kleine Handwerksbetriebe.

„Wir haben zwar Anfragen, aber keine neuen Aufträge“, sagt Jörg Albert von KAS Elektronik in Kassel, „keiner investiert, man will erst Klarheit haben.“ Der Betrieb habe bisher einen der 15 Mitarbeiter entlassen müssen.

„Bei den Großanlagen ist weiterhin Nachfrage da, aber die Privatkunden zögern“, hat Alberto Garcia von der Galip GmbH in Lohfelden festgestellt. „Wenn der deutsche Markt schwächer wird, dann müssen auch wir entlassen“, meint der Manager. Acht Mitarbeiter in Lohfelden sind in der Solarbranche beschäftigt. Galip setzt dabei vor allem auf Großprojekte in Asien. So wird derzeit eine 1-Megawatt-Pilotanlage in Thailand errichtet, 83 weitere sollen dort und in Vietnam folgen. Auch in die eigene Produktion von Solarmodulen ist Galip eingestiegen. Sie werden mit koreanischen Partnern in Südkorea gebaut, 600 Kilowatt werden jetzt auf Regierungsgebäuden in Bosnien installiert.

Von einer „deutlichen Marktbereinigung“ spricht Georg Stiens, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma in Kaufungen. Auch er stellt einen deutlichen Nachfragerückgang fest, aber er will die Krise nutzen und weiterwachsen. Mit 180 Mitarbeitern – 60 in der Zentrale in Kaufungen plus 120 Verkäufer bundesweit – zählt die Stiens GmbH zu den größten Solarinstallateuren. 12 000 Dachanlagen hat Stiens in den vergangenen acht Jahren errichtet. „Wir sind gut aufgestellt, wir stellen uns dem Wettbewerb“, meint Stiens selbstbewusst. Er will die Zahl der Mitarbeiter aufstocken, vor allem in den östlichen Bundesländern sieht er Chancen. „Die Konsolidierung in der Branche ist positiv“, sagt Lars Kirchner von der gleichnamigen Solarfirma in Alheim mit 250 Mitarbeitern, die in unserer Region stark vertreten ist und in Lohfelden ein Zentrum für erneuerbare Energien errichtet. „Viele Unternehmen bleiben auf der Strecke, aber nicht wegen der Einspeisevergütung“, meint Kirchner. Der Grund: Sie agierten nicht professionell genug. Kirchner hat zwölf Mitarbeiter neu eingestellt.

Nach einem der stärksten Quartale in der Firmengeschichte geht SMA nun von einer geringeren Nachfrage in Europa aus. Über die Auslastung der Produktion macht SMA – zuletzt 6700 Mitarbeiter, davon 1300 in Zeitarbeit – keine Angaben. Die Solarindustrie habe eine große Zukunft, sind die Niestetaler überzeugt. „Der Strom vom Dach ist heute bereits günstiger als Haushaltsstrom“, sagte SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon bei der Hauptversammlung Anfang Mai. HINTERGRUND ARTIKEL RECHTS

Von Holger Schindler

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