Herderschüler drehten tabulosen Kurzfilm über exzessive Künstlerin – Premiere am Samstag im Cinestar

Nichts außer Sex und Tanzen

Schnitt: Die Schüler drehen die Szene, wo Tracey in der Disco tanzt. Regisseur Mario Castro steht hinter der Kamera (rechts). Foto: nh

Kassel. Ein lautes Rauschen und Pochen dringt ans Ohr. Die Umrisse eines schwimmenden Embryos im Mutterleib werden deutlicher. – Das ist die Anfangsszene des Kurzfilms „Tracey – I do not expect“ der 12. Klasse „Darstellendes Spiel“ der Herderschule in Kassel.

Die 19 Schüler haben zusammen mit ihrer Lehrerin Annke Siewierski und dem Regisseur Mario Castro die Autobiographie „Strangeland“ der englischen Künstlerin Tracey Emin auszugsweise filmisch umgesetzt. „Gedreht haben wir letzten Sommer. Es war sehr heiß und anstrengend. Aber wir waren zu stolz, um aufzugeben“, erinnert sich Schülerin Theresa Baettge. Und der Regisseur fügt hinzu, dass von den Schülern viel Durchhaltevermögen gefordert wurde und sie diese Herausforderung mit Bravour meisterten.

So wie der Roman roh und schockierend ist, haben auch die Schüler die Härte der literarischen Vorlage in ihrem 20- minütigen Werk aufgegriffen. Sie brechen Tabus und unterstreichen dies durch die Erzählerstimme aus dem Off (Sophie Neugebauer), die kein Blatt vor den Mund nimmt.

„Zwischen 13 und 15 gab es für mich nichts außer Sex und Tanzen“, sagt Tracey im Film. „Ich traf jemanden und wir hatten Sex. Es war einfach und es tat gut. Nichts, nur mit dem Körper denken – wie ein Vogel, einfach frei“, fügt sie hinzu. Eine Mischung aus Alkoholrausch und uneingeschränkter Freiheit bestimmte ihr Erwachsenwerden.

Ohne Angst wagten sich die Schüler an schwierige Szenen wie eine Vergewaltigung. „Gerade solche krassen Buchpassagen setzten die Schüler mit viel Kreativität im Film um. Ich war begeistert von ihren Ideen“, erzählt Lehrerin Annke Siewierski stolz.

So wird die Vergewaltigung nicht gezeigt, nur angedeutet und spielt sich in den Köpfen des Zuschauers ab. Der Ton bleibt und Schreie sind zu hören. Die Kamera schwenkt nach oben in die Baumkronen, der Himmel ist fast schwarz – und die Vorstellungskraft kann sich mühelos im Kopf entfalten.

Um die exzessive englische Künstlerin besser kennenzulernen, haben die Schüler im Vorfeld TV-Interviews mit Tracey Emin angesehen und studierten ihre Kunstwerke. „Wir fanden sie als Person total spannend, ihre Kunst ist provokant und ungewöhnlich“, berichtet die Schülerin Stephanie Möller. Hintergrund

Von Anne Stephanie Gratzke

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