Mindestwerte werden unterschritten

Dicke Luft am Sensenstein: Geplanter Windpark sorgt für Ärger 

Windräder auch am Sensenstein? Die landeseigene Hessische Landgesellschaft hält trotz schlechter Windprognosen an dem Projekt fest. Unser Bild zeigt einen 200 Meter hohen Rotor der Städtischen Werke in der Söhre. Foto: Schindler

Nieste/Niestetal. Der geplante Windpark am Sensenstein stößt auf massive Kritik: Nun hat der nordhessische Landtagsabgeordnete Timon Gremmels (SPD) den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sogar aufgefordert, die Pläne zu stoppen.

In einem Brief von vergangener Woche bittet Gremmels den Minister, auf die Hessische Landgesellschaft (HLG) einzuwirken, das Projekt zu überdenken. Die Flächen sind als Domänenflächen im Besitz des Landes, Wirtschafts-Staatssekretär Mathias Samson ist Vorsitzender des HLG-Aufsichtsrats. Ministeriumssprecher Wolfgang Harms bestätigte gestern den Eingang des Schreibens, es werde nun geprüft.

Der Windpark stößt bei Nachbarkommunen und dem Landkreis auf Kritik, die Gemeinde Nieste fürchtet um Auswirkungen auf den Tourismus.

Kern des Streits um den Windpark-Standort sind die prognostizierten Windgeschwindigkeiten. Die Landesregierung fordert seit dem Jahr 2012 für alle Windkraftstandorte in Hessen eine durchschnittliche Windstärke von 5,75 Meter/Sekunde in 140 Meter Höhe über dem Boden. Dieser Wert wird am Sensenstein jedoch nicht erreicht. Zu diesem Schluss kam jedenfalls der TÜV Süd, weshalb der Standort im Entwurf des Teilregionalplans Energie, der zurzeit überarbeitet wird, nicht enthalten ist. Doch nach Informationen der HNA sollen die Flächen am Sensenstein in der neuesten Version des Regionalplans als Windvorrangflächen ausgewiesen werden. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel als Genehmigungsbehörde wollte sich gestern nicht dazu äußern. Die HLG war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ende September werde der Haupt- und Planungsausschuss über die Windvorrangflächen im neuen Regionalplan beschließen, sagte der stellvertretende RP-Sprecher Jörg Wiegel der HNA. Man bereite gerade die zweite Offenlage des Regionalplans Energie vor. Vermutlich im Februar 2015 werde die Offenlage beginnen, dann könnten sich auch die Bürger dazu äußern.

Die HLG will die Flächen am Sensenstein an einen privaten Investor verpachten, der dort acht bis zu 200 Meter hohe Windräder errichten möchte. Der Investor hat ein eigenes Windgutachten erstellen lassen. Es wurde vom Fraunhofer Institut Iwes geprüft und erfüllt damit nach Ansicht des Landes die Vorgaben des Regierungspräsidiums Kassel.

Die Städtischen Werke hatten ganz in der Nähe ebenfalls einen Windpark geplant. Nach Auswertung der Daten, die über zwölf Monate mit einem 100 Meter hohen Windmessmast bei Windhausen erhoben wurden, verabschiedeten sich die Werke jedoch wegen zu geringer Windgeschwindigkeiten von dem Projekt. Auch die Gemeinden Nieste und Kaufungen machten bei einem eigenen Windprojekt am Sensenstein einen Rückzieher.

Von Holger Schindler

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