Platz für 10.000 Festmeter Holz

Fichten-Lagerstätte bei Nieste: Holz vor Borkenkäfern schützen

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Sie sorgt dafür, dass die Holzeinlagerung funktioniert: Hanna Wege, Betriebsassistentin im Forstamt Hessisch Lichtenau, kümmert sich um den Holzlagerplatz bei Nieste. Unser Bild zeigt die 25-jährige Forstfrau vor einem Holzpolter auf dem Platz, an dem durch ein Schild vor dem Betreten gewarnt wird. 

Nieste. Hessen Forst baut eine riesige Fichten-Lagerstätte bei der Niester Königs-Alm auf, um Borkenkäfer abzuhalten. Bis Anfang 2019 sollen dort 10.000 Festmeter Holz liegen.

Es wächst und wächst und wächst, das Holzlager in der Nähe der Niester Königs-Alm im Bereich der „Tannenhütte“: 800 Festmeter Fichtenholz liegen hier bereits feinsäuberlich in sogenannten Poltern gestapelt.

Der Grund: „Das Holz wurde von Sturm Friederike geworfen. Durch das meist warme Klima in diesem Jahr müssen wir es jetzt aus dem Wald herausziehen, damit sich dort der Borkenkäfer nicht ausbreitet“, erklärt Hanna Wege. Die 25-Jährige ist Betriebsassistentin im Forstamt Hessisch Lichtenau und organisiert die Einlagerung des Holzes.

Geworfene oder auch geschwächte Bäume – vor allem Fichten – sind ein gefundenes Fressen für den vier bis fünf Millimeter langen Käfer, der auch „Großer Buchdrucker“ genannt wird (siehe Hintergrund). Sobald dieser Fichten befällt, ist er kaum noch aufzuhalten, legt seine Larven unter die Rinde, die sich durchfressen und den Baum buchstäblich aushöhlen. Die Fichten sterben ab. Dann machen sich die Tiere auf zum nächsten Baum und die Sache beginnt von vorn. Weil Hessen Forst es sich zum Ziel gesetzt hat, für den Schutz des Holzes keine Pflanzenschutzmittel einzusetzen, muss jetzt eine räumliche Trennung geschaffen werden. „Wir versuchen jetzt also diese Variante, um umweltschonender zu arbeiten“, sagt Wege.

10 000 Festmeter Fichtenholz

Bis Ende August soll das Holzlager noch anwachsen – auf insgesamt 10.000 Festmeter Holz. Bis Anfang 2019 soll es dort liegen. Viel Platz bietet die Fläche, die mit 250 mal 50 Metern gut anderthalb Mal so groß ist wie ein Fußballfeld. Doch an Jubelstimmung wie manchmal im Sport ist noch nicht zu denken. „Wir stehen mächtig unter Zeitdruck und machen uns Sorgen um das Holz“, sagt die 25-Jährige.

Frisst sich gern an Fichten satt: der Borkenkäfer, auch „Großer Buchdrucker“ genannt. 

Normalerweise vergingen zwischen dem Verpuppen und dem erneuten Ausfliegen des Käfers etwa anderthalb Wochen. Bei hohen Temperaturen könnte sich dieser Zeitraum aber auf drei Tage reduzieren. Deswegen sei Eile geboten, um die Wahrscheinlichkeit eines Befalls zu reduzieren. Weiterer Wermutstropfen: Trotz seiner beachtlichen Größe reiche das Areal an der Königs-Alm nicht aus, um das gesamte von Friederike geworfene Holz im Revier des Forstamts einzulagern. Hier könnten Fichten aus vier Revieren im Kaufunger Wald Platz finden – in sieben weiteren müssten vor Ort Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, um die Fichten zu schützen. „Leider konnten wir keine weiteren Flächen für die Lagerung mieten“, bedauert Wege.

Doch sei die Lagerung an der Anhöhe bei Nieste eine gute Zwischenlösung. Für Wanderer und Spaziergänger ändert sich hier nichts: Sie können die Fläche weiterhin betreten und auch an den Poltern vorbeilaufen. Schließlich verläuft hier auch ein Wanderweg. Eins gilt es jedoch zu beachten: „Die Holzpolter sollten auf keinen Fall betreten werden“, betont die Betriebsassistentin. 

Hintergrund: Kleiner Käfer mit großer Wirkung 

Der vier bis fünf Millimeter lange „Große Buchdrucker“, die gefährlichste Art des Borkenkäfers, wird vor allem von geschwächten, krankhaften oder gefallenen Bäumen angezogen – insbesondere von Fichten. Die Käfer bohren sich unter die Rinde der Bäume, pflanzen sich in der sogenannten „Rammelkammer“ fort und legen ihre Eier in Fressgänge. Die Larven und Jungkäfer erweitern die Gänge fressend, verlassen die Bäume, die Bäume sterben daraufhin ab. Die Jungkäfer gehen anschließend ihrerseits auf die Suche nach Wirten. Sind bereits zu viele Wirte belegt, werden auch gesunde, stehende Bäume angegangen. 

Der Vorteil an der Holzlagerung auf dem Feld im Bereich der „Tannenhütte“: Das Areal ist von Buchen umgeben und die nächsten Fichten sind circa einen Kilometer entfernt, sodass der Käfer auch nur schwer überspringen kann.

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