„Wir hatten dort kein Geld, keine Arbeit, keine Zukunft"

Balkan-Flüchtlinge hoffen auf ein besseres Leben in Nieste

Sie hoffen auf einen Neuanfang: Fikret Vasic (hinten von links), Vater Kenan Tairovski, seine Frau Natasa Vasic und die Zwillinge Muhammed Ali und Mehmed Ali (vorn von links) im Wohnzimmer ihrer Wohnung. Nicht auf dem Bild sind die beiden Töchter von Tairovski und Vasic. Fotos: Dilling

Nieste. Drei Flüchtlingsfamilien sind aus einer Gemeinschaftsunterkunft in Gemeindewohnungen nach Nieste gezogen und fühlen sich dort wohl.

Aleksi drückt seinen goldbraunen Plüschlöwen an sich und strahlt die Besucher an. Der Sechsjährige hat allen Grund zur Freude: Aus einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ist er mit seinen Eltern in eine gemütliche Wohnung der Gemeinde Nieste an der Kaufunger Straße gezogen, mitten ins Dorfleben. Einiges wird nun leichter, Edeka und Bushaltestelle liegen nur einen Steinwurf entfernt, hinterm Haus gibt es sogar einen kleinen Garten mit einer Hütte.

Aleksis Eltern sind wie weitere zwei Flüchtlingsfamilien vor zwei Wochen in das alte Fachwerkhaus mit den verwinkelten, aber dafür heimeligen Zimmern eingezogen. Alles ist einfach, aber sehr sauber.

Alle neuen Bewohner, die Vizelandrätin Susanne Selbert und Bürgermeister Edgar Paul nun besuchten, verbindet die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. Die 13 Erwachsenen sind mit ihren Kindern vom Balkan geflüchtet. „Wir hatten dort kein Geld, keine Arbeit, keine Zukunft“, erzählt Aleksis Vater Sudina Baka, der wie seine Familie aus Albanien stammt. Im Erdgeschoss ist das neue Reich von Familie Tairovski aus dem Kosovo mit ihren fünf Kindern.

„Die Kinder brauchen ja Unterhaltung.“ 

Asyl in Niestes Mitte: In diesem alten Fachwerkhaus haben die Flüchtlinge Wohnungen bezogen.

Sie sind von der Gemeinschaftsunterkunft an der Rotten Breite am Sensenstein nach Nieste gezogen und haben sich die Wohnung gemütlich eingerichtet, inklusive des großen Fernsehers. „Die Kinder brauchen ja Unterhaltung“, sagt Vater Kenan Tairovski. Er selbst beschäftige sich mit Hausmeisterarbeiten in der „Rotten Breite“.

Das Dorf hat er schon mit dem Fahrrad erkundet. Im Dachgeschoss wohnt Azem Sogojeva mit seiner Familie. Er ist vor sechs Wochen im Landkreis Kassel angekommen und spielt häufig den Dolmetscher für seine Leidensgenossen, weil er früher schon längere Zeit in Deutschland arbeitete, bis ihn ein Arbeitsunfall zur Heimkehr zwang. Eine körperlich nicht so schwere Arbeit würde er gern annehmen, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe alle Führerscheinklassen.“

Alle hoffen, dass die Flüchtlinge schnell Anschluss an das Dorfleben finden. Dirk Kaiser vom Fachbereich Soziales des Landkreises schaut regelmäßig nach dem Rechten. Vorbild sind zwei Eritreer, die in einem - ebenfalls der Gemeinde Nieste gehörenden - Haus gleich nebenan wohnen. Niester Fußballer entdeckten schnell das Torjäger-Talent der beiden Afrikaner und nahmen sie in ihre Mannschaft auf. Leider habe die TSG Wellerode einen von ihnen schon abgeworben, sagt Bürgermeister Edgar Paul.

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