Projekt des Landkreises Kassel

Flüchtlinge lernen in ehemaliger Freizeiteinrichtung Disziplin

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Gemeinsamer Unterricht: Viermal pro Woche steht Deutsch auf dem Stundenplan, Mert Özberber (an der Tafel) unterrichtet die jungen Männer. 

Nieste. Sie lernen Deutsch und die Grundzüge der Wirtschaft, beschäftigen sich mit Behördengängen und Rechtskunde und machen nebenbei noch jede Menge Sport: In der ehemaligen Freizeiteinrichtung Rotte Breite nahe Nieste ist jetzt ein neues Projekt des Landkreises an den Start gegangen.

14 männliche Flüchtlinge zwischen 19 und 33 Jahren lernen dort einen strukturierten Tagesablauf und Disziplin kennen.

Im Obergeschoss eines Gebäudes an der Rotten Breite sitzen sechs junge Männer und blicken auf eine Tafel an der Wand. Das Abc steht dort, das sie gemeinsam mit Mert Özberber durchgehen. Özberber ist Mitarbeiter bei der Protex Group, einem Kasseler Sicherheitsunternehmen, das gemeinsam mit dem Landkreis Kassel das Konzept für das Pilotprojekt in Nieste erarbeitet hat.

Mehrmals pro Woche wird auch geboxt: Unser Foto zeigt Massimiliano Imbraguglia (links) und Bassmaan Al-Bajjaari.

„Dabei geht es um Unterforderung“, sagt Jörg Roßberg, Leiter des Sozialamtes des Landkreises. Mancher würde damit nicht zurecht kommen, dass er nichts zu tun habe in der Flüchtlingsunterkunft. Um einem möglichen Abdriften in die Kriminalität etwas entgegenzusetzen, gibt es nun das Projekt an der Rotten Breite. Protex war bereits an der Unterkunft in Grebenstein im Einsatz und dort eigentlich nur für die Sicherheit zuständig. Doch die Mitarbeiter hätten auch Sport mit den Flüchtlingen gemacht. „Wir haben gesehen, dass das positive Effekte hat“, sagt Roßberg. So entstand im Sommer die Idee zu dem Projekt, das seit Anfang Dezember läuft.

Bis zu 28 Personen können in der früheren Freizeiteinrichtung leben, derzeit sind es 14. Für sie gibt es einen Stundenplan. Montags beispielsweise stehen darauf zunächst Deutsch und Kraft- und Ausdauertraining, dann Fachinformatik, Boxen und Ökonomie. Stets zwei Protex-Mitarbeiter sind dort, die unterrichten. Dazu gehören neben Fachinformatikern auch Ökonome und gelernte Handwerker. „Sie bringen den jungen Männern die Grundlagen bei“, sagt Ernesto Plantera, der bei Protex den Geschäftsbereich Sicherheitsdienste leitet. Viele Mitarbeiter der Sicherheitsfirma haben einen Migrationshintergrund. „Alle Religionen sind hier vertreten“, sagt Plantera. Eingebunden werden auch Ehrenamtliche, beispielsweise ein ehemaliger Polizist, der Rechtskunde unterrichtet. Sonntags wird dann gemeinsam gekocht. Wie lange die jungen Männer jeweils in dem Projekt sind, ist nicht festgelegt, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn.

Ob die jungen Männer gefährlich sind, kann Sozialamtsleiter Jörg Roßberg nicht beantworten. „Wir haben hier aber keine Gewalttäter zusammengeführt, aber natürlich gibt es auch schwierige Personen.“ Aber: „Das ist keine Einrichtung für straffällige Jugendliche.“ Es gehe eher darum, überschüssige Energien zu kanalisieren.

Für die Finanzierung des Projekts kommt der Landkreis auf. Anfallen würden lediglich die Kosten für den Sicherheitsdienst.

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