Funk-Internet: Drama in Nieste geht weiter

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Blick von der Königs-Alm auf Nieste: Links im Bild schließt sich das Baugebiet Valtensbreite an, das bis heute nicht im Buchungssystem der Telekom eingepflegt ist. Im Wald gegenüber zeichnet sich hell die Stahlkonstruktion des LTE-Sendemastes ab. Gleich unten im Dorf in der linken Bildhälfte hat Micheal Siegert seinen Wohnsitz.

Nieste. Das Drama um die mangelhafte Versorgung mit dem schnellen Funk-Internet LTE in Nieste geht weiter. Erst Anfang September gestand die Telekom ein, noch bis Ende 2015 zu brauchen, um die Anwohneradressen des Baugebietes Valtensbreite in ihr LTE-Buchungssystem einzupflegen.

Vorher sei die Buchung von LTE-Produkten leider unmöglich.

Jetzt zeigt sich zudem, dass auch in Bereichen Niestes, die mit LTE versorgt werden, die Produktqualität teilweise so schlecht ist, dass Kunden Internet kaum nutzen können.

Michael Siegert ist solch ein Fall. Er wohnt nahe dem Sportplatz und müsste eigentlich LTE gut empfangen können - der Funkturm im Wald oberhalb der Straße Wartenhof steht keine 500 Meter von seiner Wohnung entfernt.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Seit etwa vier Monaten kann er nur noch 0,7 bis 1,5 MBit pro Sekunde Daten empfangen. Das ist weniger als bei einem normalen DSL-Kabelanschluss und entspricht nur einem Zehntel dessen, was Siegert gebucht hat - nämlich den Tarif Surf Comfort via Funk M, der im Regelfall 10 bis 20 MBit Daten pro Sekunde überträgt. „Ich zahle 50 Euro im Monat für etwas, was nicht läuft“, sagt Siegert. „Für mich ist das Kundentäuschung.“

Wie andere Telekom-Kunden aus Nieste führt Siegert schon seit Wochen einen Kleinkrieg mit der Telekom via Telefon und E-Mail. „Jeder sagt etwas anderes, jeder gibt andere Ratschläge. Aber es passiert nichts“, sagt Siegert.

Der Gipfel war bislang ein Schreiben im Auftrag des Telekom-Vorstandschefs Timotheus Höttges: „Anhand der Messwerte des Senders ist eine hohe Nutzung und teilweise grenzwertige Auslastung erkennbar, sodass es durchaus zum Teil zu schlechten Datenraten kommen kann“, heißt es. Der Abhilfevorschlag der Telekom: Siegert möge doch bitte seinen Router „etwas nördlicher ausrichten“, um den Empfang zu optimieren. An der aktuellen Situation könne aber keine Änderung vorgenommen werden.

„So etwas lässt ein Vorstandsvorsitzender ausrichten“, tobt Siegert. In der Tat kann und will die Telekom „die vereinbarte Leistung nicht mehr zur Verfügung stellen“, sagt Telekom-Sprecher Klaus vom Hofe. Zu viele Kunden würden auf den zuständigen Mast zugreifen.

Wie viele genau, das sagt er nicht. Nach HNA-Informationen sind es aktuell 160 LTE-Nutzer, die sich den 50 MBit-Sender teilen. Engpässe sind da vorprogrammiert. Dennoch sagt die Telekom: „Ein weiterer Ausbau ist bislang nicht geplant.“ Dabei müsste lediglich „ein fünfstelliger Betrag investiert werden“, um die LTE-Einheit am vorhandenen Mast zu verstärken. Telekom-Sprecher André Hofmann versichert indessen, dass in Nieste „keine LTE-Produkte mehr verkauft werden, wenn wir wissen, dass die Kapazitäten nicht mehr reichen“. Kunden, die LTE bereits gebucht hätten und unzufrieden seien, werde ein neuer preiswerterer Tarif angeboten, sagt Hofmann.

Siegert immerhin hat von der Telekom bereits ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt bekommen.

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