Hessisch-Lichtenau in Hessen am stärksten betroffen

Interview: Forstamtsleiter über die Arbeiten nach Orkan Niklas

Vorsicht: Wenn Holzeinschlag erfolgt, ist im Wald äußerste Vorsicht geboten. Das Foto zeigt die Sperrung eines Rundwanderweges bei der Königs-Alm in Nieste. Foto: Ketteritzsch

Nieste. Viele Wanderwege sind durch die Forstarbeiten im Winter immer noch kaputt. Wir sprachen mit Forstamsleiter Mattias Dumm über die Wiederherstellung der Wege und die Arbeiten beim Holzeinschlag.

Mehr als zwei Monate ist es her, dass Orkan Niklas überall in Deutschland Schäden anrichtete. Der Bereich des Forstamts Hessisch Lichtenau war in Hessen mit am stärksten betroffen, umgeknickte Bäume machten Aufräum- und Holzrückearbeiten notwendig. Der dadurch in Mitleidenschaft gezogene Rundweg Königs-Alm soll in Kürze wieder vollständig glatt gezogen und die restlichen Fahrspuren beseitigt werden.

Wir haben mit Matthias Dumm, Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau, über die Vorgehensweise beim Holzeinschlag und der gegebenenfalls notwendigen Instandsetzung der Wege gesprochen.

Herr Dumm, wann findet die Holzernte statt?

Matthias Dumm Forstamtsleiter

Dumm: Waldpflege und Holzernte als Kerngeschäft eines Forstbetriebs finden vor allem im Winterhalbjahr statt. Mitte Oktober bis Ende Februar tragen die Bäume kein Laub, weshalb es bei den Arbeiten am wenigsten Schäden am Waldbestand gibt. Zudem verfärbt sich das Holz ab März, wenn der Saft in die Bäume steigt, sehr schnell und das Holz wird entwertet. Bei den Nadelbäumen ist im Winter die Gefahr geringer, dass der Borkenkäfer sich über das liegende Holz auch auf die stehenden Wälder verbreitet. Unser Ziel ist es, dass die rund 500 Kilometer Waldwege im Forstamt an Ostern wieder normal durch Spaziergänger genutzt werden können.

Wie läuft die Vergabe der Aufträge ab?

Dumm: Die Arbeiten werden nach dem Vergaberecht ausgeschrieben. Dabei erhält jedoch nicht automatisch das Unternehmen den Zuschlag, welches das günstigste Angebot unterbreitet. Als PEFC-zertifizierter Betrieb achten wir bei der Vergabe auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Anhand der Lieferantenbeurteilung wählen wir ein Unternehmen, das zudem schonend arbeitet.

Welche Vorgaben haben Sie durch das PEFC-Siegel (zu deutsch: Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen)?

Dumm:  Es gibt beispielsweise die Vorgabe, dass die beauftragten Unternehmen nicht durch den Bestand fahren dürfen, sondern auf den Rückegassen bleiben müssen. Wenn die Fahrspuren auf einer größeren Fläche die Obergrenze von 30 Zentimetern Tiefe überschreiten, stellt das Unternehmen von sich aus die Arbeit ein. Zudem weist der zuständige Revierförster, der die Einsatzleitung hat, das Unternehmen bereits bei der Auftragsvergabe auf wichtige, zu schonende Wege hin.

Was passiert, wenn bei den Arbeiten Wege beschädigt werden?

Dumm: Ist im Vertrag bereits darauf hingewiesen worden, dass der Weg nicht beschädigt werden darf, muss das Unternehmen den entstandenen Schaden grob auf eigene Kosten beseitigen. Wurde der Weg jedoch aufgrund der Witterung oder durch einen Sturmwurf beschädigt, setzen wir ihn auf unsere Kosten instand.

Wie viel kostet die Instandsetzung der Waldwege?

Dumm: Im Jahr 2014 wurden im Forstamt Hessisch Lichtenau beispielsweise 220 000 Euro aufgewandt. Dieses Jahr werden die Aufwendungen für Aufräumarbeiten, Verkehrssicherung und Instandsetzung wegen der Sturmwürfe deutlich höher liegen. Den Höchstwert hatten wir vor sieben Jahren mit einer Millionen Euro aufgrund des Orkans Kyrill. Schotterwege müssen zwar öfter gepflegt werden, sind aber leichter instand zu halten.

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