Messi-Haushalt

Kampf um Schandfleck in Nieste: Hausbesitzer drohte mit Waffe

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Der einsturzgefährdete Schuppen von vorn: Der Landkreis Kassel hat hier Stahlstützen eingesetzt.

Nieste. Bestes Material für einen Film bieten die Erzählungen von Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) über das Grundstück an der Kaufunger Straße 16.

Ein Leser hatte die HNA auf das Anwesen hingewiesen: Dort wo vier völlig heruntergekommene Bauten stehen und sich Elektrogeräte, Stühle, Fässer, Wellbleche und Reifen zwischen Fahrzeugwracks türmen, habe die Gemeinde Nieste in den vergangenen Jahren alle Register ziehen müssen, um etwas am Zustand des Anwesens zu ändern. „Mit gezogener Waffe sind Polizisten mit Mitarbeitern vom Regierungspräsidium und mir auf das Grundstück gegangen, weil der damalige Besitzer mir gedroht hatte, mich um die Ecke zu bringen“, sagt Bürgermeister Edgar Paul. 

Im Keller habe zudem ein riesiger Rottweiler gehaust. Paul habe seit seinem Amtsantritt 2001 mehrfach versucht, mit dem Besitzer zu reden und die Situation zu klären. Ohne Erfolg. Schon Pauls Vorgänger Heinrich Holzhauer (SPD) sei mit der Mistgabel vom Grundstück gescheucht und aus dem Fenster mit einer Waffe bedroht worden.

Nur eines von mehreren Autowracks auf dem Grundstück: Ein Ford Mondeo Kombi gammelt vor sich hin.

Behörden beseitigten 13 Fahrzeuge

Nachdem sie sich mit gezogener Waffe auf das Grundstück begeben hatten, hätten die Behörden vor Ort geprüft, ob durch Flüssigkeiten in Fahrzeugen und Tanks auf dem Grundstück das Grundwasser gefährdet ist. „Insgesamt 13 Fahrzeuge haben wir von dort beseitigt“, sagt Paul. 

Innen habe es neben einem Hundezwinger auch diverse Fässer und allerlei Unrat gegeben. Zusätzlich sei ein Bus in die an das Haupthaus angebaute Scheune verkeilt. „Ein richtiger Messihaushalt.“ Allerdings hätte die Aufräumkolonne nicht an alles herankommen können. Vieles sei schlichtweg unzugänglich.

Diese drastischen Maßnahmen seien notwendig geworden, weil der Besitzer laut dem Rathauschef das 1164 Quadratmeter große Grundstück mitsamt allen Gebäuden 1996 an seine Tochter überschrieben hatte – allerdings mit einem „Knebelvertrag“, der ihr keinen Handlungsspielraum ließe. 

„Das ganze Umfeld im Dorf bekommt durch das Grundstück den Charakter einer Abfallanlage“, sagt Paul. „Wir arbeiten mit dem Regierungspräsidium und dem Landkreis Kassel zusammen, um daran etwas zu ändern.“

Den Bewohnern des Nachbargrundstücks ist das Gebäude seit Jahren ein Dorn im Auge. Vor allem der Schuppen an der Rückseite, der bereits mit Stützpfeilern gehalten wird, bereite ihnen Sorgen: „Die Mauer liegt direkt an unserer Durchfahrt und bröckelt“, sagen zwei Anwohnerinnen. Sie rechnen jederzeit damit, dass die Mauer einstürzt, möglicherweise auch, während sie gerade im Auto daran vorbeifahren.

Sie können aufatmen: Laut Paul habe die Bauaufsichtbehörde die Besitzerin darüber informiert, dass der besagte Schuppen in den kommenden Wochen abgerissen werde. Auch das Hauptgebäude solle geprüft werden. Erst einmal steht aber eine Entrümpelung an: „Das wird wie eine Wundertüte für die Firma, die das macht“, sagt Paul.

Blick vom Bürgersteig an der Straße Zum Sportplatz auf das Grundstück an der Kaufunger Straße 16: Umgeben von Fahrzeugwracks und Müll steht geradezu das Hauptgebäude. 

Das sagt der Landkreis

„Das Haus in Nieste ist uns leider seit Jahren bekannt“, sagt Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn auf HNA-Nachfrage. Hier sei seitens der Besitzerin seit Ewigkeiten nichts mehr gemacht worden. Aktuell habe der Landkreis Kassel über das zuständige Bauamt Sicherungsmaßnahmen für den Schuppen an der rückseitigen Grundstücksgrenze angeordnet. „Der wird aber binnen der kommenden Wochen abgerissen“, sagt Kühlborn weiter. 

Der Landkreis habe mit der Gemeinde Nieste eine Ersatzvornahme vorgenommen, um den Schuppen abzureißen und auch weiteres auf dem Grundstück zu ändern. Das heißt, Landkreis und Gemeinde zahlen das Geld für den Abriss des Schuppens anstelle der Eigner. Es werde auch das Haupthaus geprüft: „Ich tippe allerdings darauf, dass das Gebäude wohl akut baufällig ist“, sagt Kühlborn. Dann könnten weitere Schritte gemacht werden. 

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