Waldwege sind gesperrt 

Nach Friederike und Trockenheit: Förster kämpfen gegen Borkenkäfer

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Hier ist gerade für Unbefugte kein Durchkommen: Der Weg, der schräg rechts von der Straße „Tannenhütte“ bei Nieste abzweigt, ist wegen Forstarbeiten gesperrt. Hier laufen auch die Wanderwege 12, 13 und 14 entlang.

Nieste. Nach dem Sturm Friederike und der langen Trockenheit des Sommers kämpfen Förster im Kreis Kassel gegen Borkenkäfer. Dafür müssen auch viele Waldwege gesperrt werden. 

Wirft man einen Blick auf das Holzlager nahe der Niester Königs-Alm, könnte man meinen, es kehrt langsam wieder Ruhe ein in den Wäldern der Region. Rund 9000 Festmeter Fichtenholz lagern hier fein säuberlich aufgereiht. Sind die Schäden durch Sturm Friederike also langsam beseitigt und die Wälder wieder begehbar? Und ist auch der Borkenkäfer in seine Schranken gewiesen worden? Keineswegs, der Eindruck täuscht.

„Wir haben immer noch alle Hände voll zu tun“, sagt Hanna Wege, Betriebsassistentin im Forstamt Hessisch Lichtenau. Die 25-Jährige organisiert die Einlagerung des Holzes bei Nieste. Sie weiß um die Engpässe, mit denen Hessen Forst im Kaufunger Wald und in den Forstgebieten des Landkreises Kassel kämpft. „Erst der Sturm, dann die lange Trockenheit im Frühjahr und Sommer. Viele Bäume – vor allem Fichten – wurden beim Sturm umgeworfen. Die, die nicht umfielen, wurden durch fehlenden Regen geschwächt“, sagt Wege.

Das Holzlager bei Nieste war gedacht, um Teile der anfallenden Holzmassen aufzufangen und sie zwischenzulagern. „Sonst lägen noch mehr Fichten an den Wegesrändern vor allem im Kaufunger Wald“, so die Betriebsassistentin. Denn der Abtransport war schwierig, weil es schlichtweg zu wenig Lkw gab.

Zum anderen diene das Lager aber auch als Schutz vor Borkenkäferbefall. Der Käfer ernährt sich von Holz. „Er greift erst gefallene Bäume an, geht dann aber auch auf lebende über“, erläutert Wege. Durch die Trockenheit habe er optimale Bedingungen. Deswegen sei an Durchatmen nicht zu denken: Das vom Sturm geworfene Holz müsse schnell ausgeräumt und aus dem Wald transportiert werden, sonst breite sich der Käfer weiterhin aus. Stellenweise ist das schon passiert: Laut Wege stehen in den Wäldern Gruppen von Fichten mit rötlicher Krone. „Diese Bäume haben dem Sturm standgehalten, sind aber dem Käfer zum Opfer gefallen“, sagt sie.

Hoffen auf den Winterschlaf

„Die Lage in den Wäldern im Landkreis Kassel bleibt angespannt“, bestätigt auch Hessen-Forst-Sprecherin Petra Westphal auf Anfrage unserer Zeitung. Insgesamt habe der Sturm Friederike in von Hessen Forst betreuten Wäldern – von den Revieren Reinhardshagen bis Beerfelden in Südhessen – deutlich mehr als zwei Millionen Festmeter Holz zu Boden geworfen. Einiges davon konnte bereits bearbeitet werden, liege allerdings großteils an Wegesrändern in den heimischen Forsten.

Eile sei also geboten, damit die großen Holzmengen nicht zu lange im Wald liegen – auch, um dem Borkenkäfer weniger Angriffsfläche zu bieten. „Für den schnellen Abtransport müssen wir in den Wäldern im Altkreis Kassel in den kommenden Monaten Wege sperren“, sagt Westphal. So zum Beispiel auch am Holzlager, wo Wanderwege entlangführen. In Sachen Borkenkäferbefall kehrt laut Westphal zumindest im Laufe des Oktobers langsam Ruhe ein. Dann beginnt die Winterruhe des vier bis fünf Millimeter großen Käfers. Insgesamt wird es aber noch einige Zeit dauern, bis die unmittelbaren Schäden aufgearbeitet sind, „wahrscheinlich bis Anfang 2019“, sagt Westphal. 

Hintergrund:

Immer wieder komme es dazu, dass Waldbesucher auf den eigentlich abgesperrten Wegen herumliefen, sagt Hessen-Forst-Sprecherin Petra Westphal. „Wenn sie sehen, dass die Arbeiten in einiger Entfernung stattfinden, glauben sie, es bestehe kein Risiko und sie könnten das gut einschätzen.“ Westphal betont: „Damit begeben sie sich jedoch selbst in Gefahr – und die Forstarbeiter obendrein.“ Die Passanten störten die Konzentration der Arbeiter, was zu Fehlern führen könne, „Fehler, die gefährlich werden können.“ Auch rät Westphal Waldspaziergängern dringend davon ab, Windwurfgebiete zu betreten. „Manche sehen die Flächen als Abenteuerspielplatz, doch auch hier lauern große Gefahren.“ Die Bäume stünden unter Spannung, die sich entladen und schwere Verletzungen verursachen könnte. Daher appelliert Westphal: „Wir bitten Waldbesucher darum, die Absperrungen zu respektieren und sich und andere nicht unnötig zu gefährden.“ (mgo)

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