Städtische Werke wollen weiteren Tiefbrunnen in Betrieb nehmen

Nieste kann noch mehr Grundwasser an Kassel abgeben

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Nieste. Die Gemeinde Nieste hat viel Wasser. Doch wie viel Grundwasser kann sie abgeben, damit der Wasserspiegel nicht beeinträchtigt wird? Das haben jetzt die Städtischen Werke Kassel vor Ort prüfen lassen.

Das Ergebnis: Zukünftig können noch größere Mengen Grundwasser aus dem Boden entnommen und nach Kassel transportiert werden. 

Werke-Sprecher Ingo Pijanka bestätigt das auf Nachfrage der HNA. Laut einer Bekanntmachung des Kasseler Regierungspräsidiums wurden aus dem Tiefbrunnen 1 in Nieste Proben entnommen. Es handle sich hier um den Brunnen direkt neben dem Wasserwerk, das derzeit entsteht und künftig bis zu 400 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr in die Stadt Kassel bringen soll.

Neues Werk, mehr Wasser

Ingo Pijanka

Das neue Werk ermöglicht, dass das eisenhaltige Grundwasser vor Ort aufbereitet werden kann, um es dann in Richtung Kassel fließen zu lassen. Der Brunnen, an dem Wasser entnommen wurde, soll zusätzliches Wasser liefern. Er war laut Pijanka 30 Jahre nicht in Betrieb, nach eine Probespülung steht nun fest, dass er noch intakt ist. Ziel ist es, ihn 2017 auszuschachten und Kies aufzuschütten. Um den Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen, mussten die Städtischen Werke Wasserrechte beantragen. Wenn auch der Brunnen den Werken gehört, brauche es die Berechtigung, ihn auch zu betreiben. Der Antrag werde derzeit vom Regierungspräsidium Kassel geprüft, so Ingo Pijanka.

Um sicherzugehen, dass der Wasserspiegel unter der Entnahme von zusätzlichem Wasser nicht leidet, wurden an verschiedenen Stellen Probebohrungen gemacht. Hintergrund ist, dass auch das Trinkwassernetz der Gemeinde Nieste aus den Brunnen gespeist wird.

Mehr Wasser als nötig

Von Seiten der Gemeinde spricht nichts dagegen, dass mehr Wasser entnommen wird. „Im höheren Tal in Nieste können wir 450 Kubikmeter Wasser am Tag fördern. Selbst an heißen Tagen brauchen wir, wenn es hochkommt, 250 Kubikmeter“, teilt Bürgermeister Edgar Paul (SPD) auf Nachfrage mit. Die Gemeinde hat ebenfalls neue Wasserrechte beantragt. Sie beinhalten eine Anpassung der Wassermenge an den Bedarf sowie die Inbetriebnahme des bisherigen Notbrunnens. Der Brunnen 6 darf bislang nur eingesetzt werden, wenn der Gemeindebrunnen ausfällt. Trotzdem muss er mehrmals die Woche gespült werden, um ihn intakt zu halten. „Volkswirtschaftlich ist das Unsinn“, sagt Paul. Er will nun erreichen, dass der Brunnen 6 in Betrieb geht, um aus ihm im täglichen Wechsel mit dem Gemeindebrunnen Wasser zu gewinnen.

Wasserstreit ist ausgeräumt

Der 30-jährige Wasserstreit zwischen der Gemeinde Nieste und den Städtischen Werken Kassel, der zeitweise vor Gericht ausgetragen wurde, ist begraben. Hintergrund des Streits war die Frage, wie viel Grundwasser aus dem Tal der Nieste entnommen werden darf, ohne die Natur zu schädigen. Der Oberlauf der Nieste war in trockenen Sommern regelmäßig trocken gefallen. Laut Bürgermeister Edgar Paul (SPD) ist die Diskussion seit 2004 zugunsten einer für beide Protagonisten profitablen Kooperation ausgeräumt. Paul selbst war 1984 einer der Mitbegründer einer Bürgerinitiative gegen Wasserraubbau.

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