Gemeinde will selbstständig bleiben 

Nieste knackte 2000er-Marke: kleinste Gemeinde im Landkreis Kassel will selbstständig bleiben 

Viele neue Häuser in Nieste: Im Neubaugebiet Valtensbreite wird kräftig gebaut. 58 Bauplätze stehen hier zur Verfügung, nur acht Grundstücke sind noch frei. Im Hintergrund ist Nieste zu sehen, an das sich (links oben vor dem Waldrand) der Nachbarort Escherode anschließt. Fotos: Schindler

Nieste. Ende September hat hat Nieste die Schallmauer durchbrochen: Genau 2001 Einwohner waren am 30. September in der kleinsten selbstständigen Gemeinde im Landkreis Kassel gemeldet - 1893 Menschen mit Hauptwohnsitz, 108 mit Nebenwohnungen.

„Das ist absolute Spitze, so viele waren wir noch nie“, sagte Bürgermeister Edgar Paul (SPD) im Gespräch mit der HNA. Und die Zahl der Einwohner werde in diesem Jahr weiter steigen. „Wir kommen noch über 1900 bei den Hauptwohnsitzen“, so der Verwaltungschef.

Grund für den Wachstumsschub sind die beiden Neubaugebiete Über dem Krughofe und Valtensbreite, in denen sich in den vergangenen Jahren etwa hundert Menschen angesiedelt haben. Das Baugebiet Krughofe ist bis auf ein Grundstück belegt. Auch an der Valtensbreite wird kräftig gebaut, nur acht von 58 Grundstücken sind noch frei.

Kann Nieste in Zukunft weiter wachsen? Den Sprung über die 2000er-Marke auch bei den Hauptwohnungen sieht Paul noch nicht. Denn neue Baugebiete sind erst mal nicht geplant. Stattdessen setze man auf Verdichtung und Neubauten im Ort. Im vergangenen Jahr seien im Ortskern und in der Hanglage sieben Häuser in Gärten gebaut worden. Vier private Fachwerkhäuser im Ortszentrum stehen leer.

Die Einwohnerzahl ist keine starre Größe, sie schwankt ständig. In jüngster Zeit habe es drei Wegzüge gegeben, berichtet der Bürgermeister, ansonsten nur Zuzüge. In die Einwohnerzahl fließen auch die 30 Asylsuchenden ein, die zurzeit in der Rotten Breite wohnen.

Die Einwohnerzahl spielt für Nieste eine große Rolle. Denn: „Wir wollen auf jeden Fall selbstständig bleiben“, sagt Paul. Voraussetzung dafür sind entsprechende Einnahmen aus der Einkommen- und Gewerbesteuer. „Wir schreiben schwarze Zahlen, bis auf ein Jahr haben wir es ohne Defizit geschafft.“

Eine Verwaltungsgemeinschaft - wie sie Helsa und Kaufungen aktuell anstreben - kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen. In einer Verwaltungsgemeinschaft mit Niestetal oder Kaufungen „wären wir nur das fünfte Rad am Wagen“, meint Paul. Nieste sei eine kleine funktionsfähige Einheit, wo die Bürger alles zu Fuß erledigen können. Der Kindergarten wird um eine fünfte Gruppe erweitert, ein neues Einkaufszentrum wird gebaut. Eine Verwaltungsgemeinschaft könnte sich der Bürgermeister am ehesten mit Escherode vorstellen, das direkt an Nieste grenzt. Doch auch daraus wird laut Paul nichts werden. Zu groß seien die Hürden schon wegen der zwischen den beiden Dörfern verlaufenden hessisch-niedersächsischen Landesgrenze.

Eine Zusammenarbeit gibt es beim Standesamt (mit Kaufungen), beim Gefahrgutbezirk und dem Zweckverband Sozialstation (mit Kaufungen, Lohfelden und Söhrewald). Und bei diesen punktuellen Kooperationen soll es auch bleiben.

Von Holger Schindler

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