Betreten verboten

Schandfleck in Nieste: Eigentümerin darf nicht mehr in ihr Haus

Betreten verboten: Ein Gutachter hat herausgefunden, dass das Gebäude Kaufunger Straße 16 nicht mehr „ausreichend standsicher“ ist. Selbst die Eigentümerin darf es jetzt nicht mehr betreten. Foto: Moritz Gorny

Nieste. Seit Jahren ärgern sich die Bewohner von Nieste über den Schandfleck an der Kaufunger Straße. Nun ist die Situation so schlimm, dass die Eigentümerin nicht mehr in ihr Haus darf. 

Eingestürzte Decken, verfaulte, tragende Balken und verrostete Eisenträger - jetzt hat es ein Gutachter bestätigt: Das Schandfleck-Gebäude an der Kaufunger Straße 16 in Nieste ist nicht mehr „ausreichend standsicher“.

Das sagt ein Spezialist, den der Landkreis Kassel und die Gemeinde Nieste beauftragt hatten. Deswegen hat der Kreis der Eigentümerin jetzt verboten, die Gebäude zu betreten und empfiehlt, die Häuser abzureißen oder das Grundstück zu verkaufen. Das teilte Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage mit.

Schuppen wurde abgerissen

Im Februar war bereits ein Schuppen auf der Rückseite des 1164 Quadratmeter Grundstücks abgerissen worden. Dazu mussten Landkreis und Gemeinde Nieste eine Ersatzvornahme vornehmen (HNA berichtete). Das bedeutet, dass die Abrisskosten erst einmal von Gemeinde und Landkreis vorgestreckt und dann ins Grundbuch des Hauses eingetragen werden. Damit komme das Geld wieder zurück, sobald das Anwesen den Besitzer wechselt.

Der Abriss oder Verkauf des Hauptgebäudes werde der Eigentümerin jetzt aus wirtschaftlichen Gründen empfohlen, da Stützmaßnahmen im Vergleich zum Wert des Gebäudes sehr teuer wären. “Die Eigentümerin ist allerdings nicht gezwungen, der Empfehlung direkt nachzukommen.“ Da durch die Gebäude keine Gefahr für Dritte ausgehe, dürfe der Landkreis nicht eingreifen und beispielsweise selbst eine Firma mit dem Abriss beauftragen. „Präventiv arbeiten können wir hier nicht. Wir setzen lediglich eine Frist, in der die Eigentümerin das Gebäude abreißen sollte“, erklärt der Landkreissprecher. Das könne allerdings bis zu fünf Jahre dauern.

In der Zwischenzeit prüfe der Gutachter in regelmäßigen Abständen, ob von dem Gebäude eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. „Erst wenn die besteht, greifen wir unverzüglich ein, ebenso wie bei dem Schuppen an der Grundstücksgrenze“, so der Landkreissprecher.

Dass die Eigentümerin das Gebäude abreißt oder das Grundstück mitsamt der maroden Bebauung verkauft, sieht Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) nicht. Er sei seit seinem Amtsantritt 2001 im Clinch um das Anwesen und sagt: „Die Dame ist weiterhin durch ihren Vater – den vorherigen Eigentümer – in einem Knebelvertrag gefangen.“ Das Schriftstück verbiete ihr, überhaupt Gegenstände vom Grundstück zu schaffen.

„Als sie das versucht hat, drohte ihr der Vater mit dem Anwalt“, so Paul. Weder ein Abriss noch ein Verkauf komme aktuell infrage. „Wir tragen die Kosten, die durch den Gutachter und mögliche Reparaturen entstehen, weiterhin ins Grundbuch ein und stellen sie der Eigentümerin in Rechnung“, sagt der Niester Rathauschef. Könne sie nicht zahlen, bestünde die Möglichkeit, eine Zwangsversteigerung zu erwirken. Bis sich etwas tut, weist der Landkreis mit drei Schildern auf das Betretungsverbot hin, sodass es auch die Öffentlichkeit wahrnimmt.

Unsere Serie

Es gibt ihn in jedem Ort: einen richtigen Schandfleck. Ob’s eine löchrige Straße ist, die jedem Stoßdämpfer spinnefeind ist und immer schlimmer wird, oder das herrenlose Haus, dem man beim Verwahrlosen zusehen kann, oder auch der große Müllberg, der von Unbekannten illegal in die Gegend gekippt wird. All das sind dunkle Punkte im eigenen Ort, die man am liebsten wegzaubern möchte – und solche, die die Familie, Freunde und Bekannte zu Besuch besser nicht zu Gesicht bekommen.

Wir bitten Sie, uns Ihren Schandfleck im Ort vorzustellen, mit Foto, einer Beschreibung, der Straße und Ihren Kontaktdaten. Wir finden heraus, warum sich dort nichts tut und wer dahinter steckt. Schreiben Sie uns: kreiskassel@hna.de

Hier liegt das Haus:

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