Scheue Vogelart findet optimale Bedingungen für Nestbau

Der Schwarzstorch ist zurück im Niestetal

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Zurück im Niestetal: Der Schwarzstorch sucht nach stillen Wäldern, die er im Gläsnertal gefunden hat. 

Nieste. Der Schwarzstorch ist zurück in Nieste: Derzeit lebt ein Brutpaar im Niestetal, das bestätigt Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen, auf HNA-Nachfrage.

Vor Kurzem hat HNA-Leserin Rosemarie Kulhoff ein Tier bei den Fischteichen im Gläsnertal entdeckt. „Das Tier ist allerdings sehr fotoscheu: Sobald jemand kommt, fliegt es in die nahen Baumwipfel“, erzählt die 51-Jährige. Doch dieses Mal hatte sie Glück: „Ich war überrascht, dass der Schwarzstorch so dicht über meinen Kopf geflogen ist. Dann habe ich nur noch schnell die Kamera hochgerissen und los fotografiert.“

Cord Brand leitet das Forstrevier Kaufungen.

Derzeit lebt ein Brutpaar im Niestetal, das bestätigt Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen. Er selbst habe erst kürzlich einen Jungvogel gesehen. „In den letzten 25 Jahren wurden meines Wissens nach drei Nester im Niestetal gebaut. Eines ist abgestürzt, eines wurde aufgegeben und das dritte wurde ab dem vergangenen Jahr nicht mehr genutzt“, erklärt Brand. Da aber in den vergangenen Wochen mindestens ein Jungvogel ausgeflogen ist, muss das Storchen-Paar wohl im Umfeld wieder ein neues Nest gebaut haben.

Insgesamt 56 Jungtiere

„Gebrütet hat hier im Niestetal immer nur ein Paar. 56 Jungtiere sind in den vergangenen 25 Jahren in der Region aufgewachsen – das kann man schon als eine Erfolgsgeschichte für die Region bezeichnen“, so Brand. In ganz Hessen gibt es laut der staatlichen Vogelschutzwarte derzeit 40 bis 60 Schwarzstorch-Brutpaare, bundesweit sind es schätzungsweise 600.

Doch wieso fühlt sich der seltene Schwarzstorch ausgerechnet im Landkreis Kassel so wohl? „In unserem Waldgebiet findet er gute Bedingungen für den Horstbau. Ein Nest kann einen Durchmesser von bis zu 1,30 Meter haben, da brauchen die Tiere alte, dichte Baumbestände mit großen Kronen und starken Ästen“, weiß Brand.

Noch wichtiger sei für die Tiere allerdings Ruhe. „Schwarzstörche sind sehr störungsempfindlich. Nur eine Störung bei der Besetzung seines Brutreviers im Frühjahr reicht oft aus, um die Tiere zum Verlassen des Brutplatzes zu veranlassen. Manchmal sofort und im gleichen Jahr, manchmal auch dadurch, dass die Tiere im nächsten Jahr einfach nicht wiederkommen“, so Brand. Daher werde im Niestetal vorgesorgt: Während der Brutzeit werden von 600 bis 800 Meter im Umkreis des Horstes keine Holz- und Pflegearbeiten gemacht. Auch Jagden finden in diesem Waldgebiet dann nicht statt.

Art ist weiterhin gefährdet

„Der Schwarzstorch ist in Deutschland zwar zurückgekehrt, aber nirgendwo häufig. Die lokale Population besteht wie hier im Niestetal häufig nur aus zwei Elterntieren plus Nachwuchs“, erklärt der Leiter des Forstreviers Kaufungen. Komme es dann im Laufe des Jahres zum Ausfall eines Elterntieres – zum Beispiel durch Beutegreifer, Unfälle oder einen Schlag durch Windenergieanlagen – sei die lokale Population weg und somit mindestens auch der Bruterfolg für das laufende Jahr.

Hintergrund: Afrika und Spanien als Winterdomizil

„Der Schwarzstorch ist ein sehr sensibles Tier“, erklärt Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen. Als Zugvogel kehrt er oft in den gleichen Horst zurück, wenn die Bedingungen stimmen. Die Vogelart bevorzugt ausgedehnte, ruhige Waldgebiete mit Bächen, Teichen und Feuchtgebieten. „Seine Lieblingsspeise sind Fische, ab und zu stehen auch mal Insekten oder Mäuse auf dem Speiseplan“, so Brand. Ende August fliegt der Schwarzstorch in Richtung Süden, in der ersten Märzhälfte kehrt er dann aus seinem Überwinterungsgebiet Afrika oder Südspanien zurück. Die Tiere sind mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Die Vogelart ist nicht nur im Niestetal heimisch: Kürzlich wurde ein Exemplar auf einem Waldweg im Reinhardswald bei der Nahrungssuche an Wasserpfützen mit einer Fotofalle abgelichtet.

Stichwort: Acht Teiche für Störche

Im Niestetal und im angrenzenden Wald wurden in den vergangenen Jahren acht Teiche für Schwarzstörche angelegt. Zwei wurden erst im Frühjahr dieses Jahres errichtet, zwei weitere kommen im Herbst hinzu. „Durch die Teiche ist das Nahrungsangebot für die Schwarzstörche permanent gesichert“, erklärt Cord Brand, Leiter des Forstreviers Kaufungen. Die Teiche werden von den Tieren gut angenommen.

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