An der Kreuzung haben sich bereits mehrere schwere Unfälle ereignet

Sensenstein-Kreuzung in Nieste: Behindern neu gepflanzte Bäume die Sicht?

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Wurden seit Mittwoch angepflanzt: 26 Eichen zieren nun die Kreisstraße 6 in Richtung Nieste auf der Seite der Ausflugsgaststätte Königs-Alm. Im Hintergrund rechts ist der Ort Nieste zu sehen. 

Nieste. Die Gemeinde Nieste hat auf der Kreisstraße 6 auf der Seite der Ausflugsgaststätte Königs-Alm 26 Eichen pflanzen lassen. Doch schränken diese die Sicht an der ohnehin schon gefährlichen „Sensenstein-Kreuzung“ noch weiter ein?

26 Eichen zieren seit Donnerstagnachmittag die Kreisstraße 6 in Richtung Nieste auf der Seite der Ausflugsgaststätte Königs-Alm – vom Kamm herunter bis zur scharfen Rechtskurve. Die Bäume wurden im Auftrag der Gemeinde Nieste angepflanzt. Doch schränken diese die Sicht an der ohnehin schon gefährlichen „Sensenstein-Kreuzung“ noch weiter ein? In der Vergangenheit war es dort mehrfach zu schweren Unfällen gekommen, zuletzt am 7. November 2017: Eine 39-jährige Autofahrerin aus Wolfhagen war mit einem Linienbus zusammengestoßen. Die Fahrerin starb später im Krankenhaus.

Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) sieht keine Einschränkung des Sichtbereichs durch die neu gepflanzten Bäume: „Den Kreuzungsbereich betrifft das ja gar nicht.“ Zudem seien die Eichen nur einseitig gepflanzt worden, die andere Seite bleibt baumfrei: „Dort stehen die Beschilderungen für die Königs-Alm.“

Sensenstein-Kreuzung

Experten waren vor Ort

Auch der Landkreis Kassel, dessen Straßenbaubehörde für den Kreuzungsbereich zuständig ist, sieht keinen Handlungsbedarf: „Die Experten von Polizei, der Straßenbaubehörde Hessen Mobil und vom Landkreis Kassel haben die Verkehrssicherheit an dieser Stelle überprüft. Mit dem Ergebnis, dass keine baulichen Veränderungen notwendig sind“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Die bisherigen Unfälle hätten andere Gründe gehabt.

Die Polizei bestätigt, dass es sich bei der „Sensenstein-Kreuzung“ um keinen Unfallschwerpunkt handelt. „Laut Definition ist das erst der Fall, wenn an dieser Stelle drei Unfälle mit schweren Personenschaden innerhalb von drei Jahren passieren“, erklärt Polizeisprecher Torsten Werner aus HNA-Anfrage.

Wie Kreissprecher Kühlborn mitteilt, wolle man an der Kreuzung im Frühjahr die Fahrbahnmarkierungen überprüfen, ob diese nach dem Winter ausgebessert werden müssen.

Hintergrund: 463 Todesopfer nach Baumunfällen 

Wie der ADAC mitteilt, ist der Aufprall auf feste Hindernisse neben der Fahrbahn für 39 Prozent der im Straßenverkehr Getöteten verantwortlich. Fast die Hälfte dieser Opfer stirbt bei der Kollision mit einem Baum – im Jahr 2016 waren dies in Deutschland insgesamt 561 Personen. Mit 463 Todesopfern ist der Baumunfall vor allem ein Landstraßenproblem. „Die schweren Folgen von Baumunfällen resultieren daraus, dass Fahrzeuge nach einem Fahrfehler häufig mit der Seite oder dem Dach auf einen Baum prallen. Die Schutzsysteme des Fahrzeuges können ihre Wirkung dann kaum entfalten“, erklärt Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen. 

Das sagt die Polizei:

„Die neuen Baumpflanzungen an der Kreisstraße 6 bei Nieste sind mit klassischen Alleen nicht gleichzusetzen. Neben der Fahrbahn befindet sich zunächst die Bankette, eine kleine Grünfläche, dann der Straßengraben und schließlich eine Anhöhung, auf der dann die Bäume gepflanzt sind“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Zudem stehen die Bäume nur einseitig an der K 6, sodass nicht von einer Allee gesprochen werden könne. „Außerdem liegen die neu gepflanzten Bäume hinter der Sichtachse des Verkehrsteilnehmers auf der K 4, wenn er die K 6 erreicht“, so Werner. 

Das sagt der ADAC:

„Bäume am Straßenrand werden von den Kraftfahrern selten als gefährliche Hindernisse wahrgenommen. Dabei führen sie oftmals zu sehr schweren Unfallfolgen“, erklärt Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen. Der Fahrer stehe unbestritten zuvorderst in der Verantwortung, durch umsichtiges und defensives Fahren Unfälle zu verhindern. „Auch die besten passiven Sicherheitssysteme eines Fahrzeuges alleine reichen nicht aus, um einen Baumunfall bei typischer Landstraßengeschwindigkeit zu überleben“, sagt Reidegeld.

Das rät der ADAC: 

• Im unmittelbaren Straßenumfeld sollten bevorzugt Büsche statt Bäume gepflanzt werden. 

• Alle Neupflanzungen von Bäumen sollten bereits zum Zeitpunkt der Pflanzung mit Schutzeinrichtungen gesichert werden. Nach 5 Jahren stellen Bäume ein tödliches Hindernis dar. 

• Auf typischen Motorradstrecken sollten Stahlschutzplanken mit einem zusätzlichen Unterfahrschutz ausgestattet werden. 

• Wo die Absicherung mit Schutzplanken nicht möglich oder wie beispielsweise in Alleen aus gestalterischen Gründen nicht erwünscht ist, sollte die zulässige Geschwindigkeit reduziert und wirkungsvoll überwacht werden.

Acht Verletzte bei Bus-Unfall bei Nieste

Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
 © Gorny
Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
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Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
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Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
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Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
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Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
 © Gorny
Unfall Nieste, Königs-Alm, Bus, AutoFotograf: Moritz Gorny
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