Entscheidung nach Pumpversuch im Frühjahr

Städtische Werke wollen im Nieste-Tal Wasserwerk bauen

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Zwischen Nieste und Uschlag: Nahe dem Wasserhäuschen an Niestes Tiefbrunnen 1 soll das neue Wasserwerk der Städtischen Werke Kassel errichtet werden. Im Hintergrund sind die Häuser Niestes zu erkennen.

Nieste / Kassel. Die Stadt Kassel soll künftig auf effizienteren Wegen mit frischem Trinkwasser aus dem Nieste-Tal im Kaufunger Wald versorgt werden.

Mit der Gemeinde Nieste führen die Städtischen Werke daher gegenwärtig Gespräche über den Bau eines neuen großen Wasserwerkes, das ab dem kommenden Sommer in der Feldgemarkung zwischen Nieste und dem Staufenberger Ortsteil Uschlag gebaut werden könnte. Das bestätigte Werke-Sprecher Ingo Pijanka auf HNA-Anfrage.

Die Anlage diene der ständigen Optimierung des Kasseler Wassernetzes, erläuterte Pijanka. Das aus Quellen und Tiefbrunnen gewonnene Wasser soll dort zentral aufgearbeitet werden. In den nächsten Wochen wird laut Pijanka eine Probebohrung niedergebracht werden. Im Februar oder März soll sich dann ein Pumpversuch anschließen. Bei guten Ergebnissen könne im Sommer mit dem Bau des Wasserwerkes begonnen werden.

Nach Auskunft von Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) soll das Wasserwerk in Nieste nahe dem Wasserhäuschen beim Tiefbrunnen 1 im Bereich hinter der Teichmühle gebaut werden. Das vermutlich recht große Bauwerk solle mit Holz verkleidet und begrünt werden und sich so möglichst unauffällig in die Landschaft einfügen.

Durch den Neubau könne die heutige Wassersammelstelle der Stadtwerke am Forsthaus Bunte Bock wegfallen, meinte Paul. Zwei Brunnen in den Staufenberger Ortsteilen Uschlag und Dahlheim könnten an das neue Wasserwerk angeschlossen werden. Dort würde das Brunnen- mit dem Quellwasser der Nieste gemischt, dann durch das Nieste-Tal geführt und ins Kasseler Leitungsnetz eingespeist. Auch Nieste wird davon profitieren. Die Wasserlieferung beschere der Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen, so Paul. Das Bauamt und die Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel hätten signalisiert, dass sie dem Standort hinter der Teichmühle zustimmen können. Paul rechnet daher nicht mit Schwierigkeiten für das gesamte Vorhaben.

STICHWORT:

Wasser kommt aus 80 Quellen und 18 Brunnen Die Städtischen Werke versorgen die Verbraucher in Kassel und Vellmar mit jährlich 12,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Gewonnen wird dieses laut Unternehmenssprecher Ingo Pijanka aus 80 Quellen im Habichtswald und im Kaufunger Wald, aus 18 Tiefbrunnen sowie aus einer Anlage zur Anreicherung von Ultrafiltratwasser an der Fulda unweit der Neuen Mühle. Die Städtischen Werke betreiben gegenwärtig außerdem acht Wasserwerke. Sie befinden sich unter anderem am Lindenberg, an der Dönche und an der Hessenschanze in Kassel sowie bei Nieste und Fuldatal-Simmershausen. In der neuen Anlage bei Nieste soll Wasser aus Quellen und Tiefbrunnen gemeinsam aufbereitet werden. (ket)

HINTERGRUND:

Wasserstreit ging über Jahrzehnte Ums Trinkwasser für Kassel aus dem Niestetal ist in der Vergangenheit erbittert gestritten worden. Die Auseinandersetzungen, die in den 70er-Jahren begannen, zogen sich über mehr als zwei Jahrzehnte hin. Vor Gericht und unter Einschaltung des Petitionsausschusses des Hessischen Landtags stritten die Gemeinde Nieste und die Städtischen Werke um die Frage, wie viel Grundwasser die Werke aus dem Tal der Nieste entnehmen können, ohne die Natur zu schädigen. Denn der Oberlauf der Nieste war in warmen Sommern regelmäßig trocken gefallen. Im Jahr 2003 schloss man einen Vergleich. Das jetzt geplante Wasserwerk sei unproblematisch, heißt es aus dem Niester Rathaus, es gehe um viel geringere Mengen als damals. (hog)

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