Niester Tourismusfachleute wettern gegen Windkraft

Wanderschule Nieste: Irmgard Janenzky und Carsten Noll von der Wanderschule Nieste setzen sich nachdrücklich für den Tourismus in der Gemeinde ein. Foto: Wohlgehagen

Nieste. Überlegungen, auch am Sensenstein Windkraftanlagen aufzubauen, stoßen auf den Widerstand Niester Tourismusfachleute. Sie sehen damit ihre erzielten Erfolge torpediert.

Die Pläne für den massiven Ausbau der Windenergie in der Söhre und im Kaufunger Wald haben den Widerstand von Bürgerinitiativen und Naturschützern angefeuert. Die Anwohner seien Leidtragende einer „Rotorensteppe“ mit mehr als 50 Windkraftanlagen, sagen die Windkraftgegner. Auch Tourismusfachleute äußern sich besorgt.

Reiner Merkel vom Regionalverband Kassel-Land sprach von einer „Verstümmelung der Landschaft“. Jetzt haben sich jetzt erstmals auch prominente Akteure aus der Fremdenverkehrsgemeinde Nieste zu Wort gemeldet. Das 1900-Seelen-Dorf lebt dank der Königsalm, Wanderschule, Grimmsteig-Touristik und vieler anderer Ideen wie keine zweite Kommune im Landkreis Kassel vom Natur- und Wand9ertourismus in der Region.

Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) sagt: „Wenn wir den Atomausstieg wollen, muss es sein“, und er sieht in den Plänen für den Ausbau der Windenergie zunächst einmal auch kein grundsätzliches Problem. Die nordhessische Landschaft bleibe trotz der Windräder „so romantisch wie vorher“. Der Niester Rathauschef kritisiert jedoch die Pläne der Hessischen Landgesellschaft für die Errichtung eines Windparks mit acht Anlagen der Megawattklasse am Sensenstein. Das Projekt könnte während der zweiten Offenlegung in den Regionalplan aufgenommen werden.

„Da weht nachgewiesen aber zu wenig Wind“, so Paul über die von der Landesregierung befürworteten Pläne. Der Bürgermeister stellte sich gegenüber der HNA ausdrücklich hinter den Master-Plan des Landkreises für Standorte mit ausreichenden Windgeschwindigkeiten.

Königsalm-Betreiber Hartmut Apel wird noch deutlicher: „Im Wattenmeer ist viel mehr Wind als am Sensenstein“, man sollte in der nordhessischen Landschaft nicht um jeden Preis Windkraft produzieren, sagt der touristisch engagierte Gastronom. Apel, der die Königsalm in den letzten Jahren zu einem kleinen nordhessischen Allgäu mustergültig weiterentwickelt hat, würde es bedauern, wenn die erreichte Wertschöpfung aus dem Natur- und Wandertourismus durch eine Massierung von Windkraftanlagen verloren ginge.

Irmgard Janenzky von der Niester Wanderschule sieht durch die Windkraftpläne ihre Pläne gefährdet: „Unsere Gäste sind jetzt von der weitgehend unberührten Natur und der Ursprünglichkeit der Landschaft begeistert“, sagt die Leiterin der Wanderschule. Die Gemeinde habe etwas vorzuweisen, was andere nicht haben, so die Tourismusexpertin. Eine „Rotorensteppe“ und der Anblick von fünfzig bis zu 200 Meter hohen Windrädern entspreche auch nicht den Vorstellungen vieler wanderbegeisterter Mitbürger im Raum Kassel von der Landschaft, in der sie sich selbst wohlfühlen, sagte Irmgard Janenzky.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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