IHK nahm Wasserpreise unter die Lupe – Große Unterschiede im Altkreis Kassel

In Niestetal ist es günstig

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Die Preise für Trinkwasser hängen oft vom Wohnort ab: Auch in den Kommunen des Landkreises gibt es Unterschiede.

Kreis Kassel. Wie viel frisches Trinkwasser und Abwasser kosten, hängt stark davon ab, wo man wohnt – das zeigt die aktuelle Studie „Frisch- und Abwassermonitor“ der IHK Hessen.

Darin wird für jede Kommune Hessens aufgelistet, wie hoch diese Kosten sind. Mit der Studie will die IHK für Transparenz sorgen und auch Unternehmen die Möglichkeit geben, sich vor der Wahl eines Standorts zu informieren.

Hessenweit variiert beispielsweise der Preis für den Kubikmeter Trinkwasser zwischen 71 Cent im südhessischen Lorsch und 3,80 Euro in Schmitten im Hochtaunuskreis. Wie teuer die Wasserversorgung für Verbraucher ist, das ist damit aber noch nicht gesagt, denn auch die Kosten für die Abwasserentsorgung sind unterschiedlich. Im Landkreis Kassel hat die Gemeinde Niestetal mit 1,03 Euro pro Kubikmeter (m³) und 51 Cent Grundgebühr pro Monat einen vergleichsweise niedrigen Frischwasserpreis.

„Wir haben hier einen Ortsvorteil“, sagt Gemeindesprecher Dennis Bachmann. Vier Brunnen liefern der Gemeinde Trinkwasser in hoher Qualität, das deshalb kaum noch aufbereitet werden muss. Auch müssen nur zwei Ortsteile (Heiligenrode und Sandershausen) mit Leitungen versorgt werden, was ebenfalls Kosten spart. Kommunen, die ein weiter verzweigtes Netz hätten, müssten mehr dafür aufbringen, sagt Bachmann.

Hohe oder niedrige Wasserpreise können von folgenden Faktoren beeinflusst werden: Davon, wie gut Wasser vor Ort verfügbar ist, wie intensiv es aufbereitet werden muss, und davon, wie das Kanalsystem beschaffen ist. So fließt es in der Regel in die Abwassergebühren mit ein, wenn ein Kanalsystem saniert werden muss. Das sei auch in Niestetal der Fall, sagt Bachmann.

Wie hoch dort die Abwassergebühren sind, hängt davon ab, wie ein Grundstück bebaut ist: Denn Verbraucher müssen nicht nur für das Wasser zahlen, das sie direkt im Haushalt verbrauchen (in Niestetal 2,13 Euro pro qm³), sondern auch für das Regenwasser, dass von ihrem Gelände ins Kanalsystem fließt.

In bisher 45 Prozent der hessischen Kommunen wird laut IHK beides getrennt voneinander berechnet. Als Maßstab für das ins System geleitete Regenwasser werden versiegelte Flächen eines Grundstücks herangezogen, von denen Wasser nicht versickern kann – Terrassen, Dächer oder asphaltierte Bereiche. Pro Quadratmeter versiegelter Fläche müssen Niestetaler 1,05 Euro zahlen, kreisweit die höchste Summe.

Viele Faktoren im Spiel

Das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren führt nicht nur dazu, dass die Preise der Kommunen sich nicht 100-prozentig vergleichen lassen, wie Burghard Loewe von der IHK Hessen bestätigt. Es führt auch dazu, dass es für Unternehmen verschiedene Standortvorteile gibt.

So ist es einem Rechenmodell der IHK zufolge für Großbäckereien günstig, sich in Niestetal anzusiedeln – dank der niedrigen Frischwasserpreise.

Speditionen mit vielen bebauten Flächen würden jedoch Kosten sparen, wenn sie sich in Helsa ansiedeln. Dort werden die Kosten noch nicht nach diesen Flächen berechnet.

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