Erst Flüchtling – jetzt Auszubildender

29-Jähriger aus Afghanistan hat in Nordhessen eine Lehrstelle gefunden

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Gute Zusammenarbeit: Ahmad Shahzad (links), der seit August 2017 eine Ausbildung bei Ullrich-Bau macht, hat ein gutes Verhältnis zu Frank Horn und den anderen Kollegen auf den Baustellen, wo er eingesetzt wird.

Niestetal. Wenn Ahmad Shahzad von seiner Heimat spricht, erzählt er nicht über das Land, in dem er sich geborgen fühlt, sondern von Gewalt und Mord. Der 29-Jährige wurde in Afghanistan geboren, das seit 40 Jahren vom Krieg beherrscht wird.

„Wir waren immer auf der Flucht“, sagt er. Vor drei Jahren sei sein Vater von den Taliban ermordet worden, seine Mutter und eine Schwester leben mittlerweile in Pakistan. Die andere Schwester ist noch in Afghanistan. Ahmad Shahzad ist vor knapp vier Jahren geflohen und hat in Nordhessen eine neue Heimat und eine Arbeitsstelle gefunden. Am 1. August 2017 hat der 29-Jährige eine Ausbildung als Maurer bei Ullrich-Bau in Heiligenrode begonnen.

Bevor Ahmad Shahzad im Sommer 2014 mit 700 Leuten in einem Boot von Ajalat (Libyen) übers Meer nach Sizilien gekommen war, hat er acht Jahre in Subrata, einer kleinen Stadt in Libyen, gelebt.

„Wir waren drei Tage mit dem Boot unterwegs, bis wir Italien erreicht haben“, berichtet er. Von der Provinz Lucca, wo er drei Wochen lebte, ging es nach Mailand, wo er eine syrische Frau kennenlernte, mit der er wenig später mit dem Zug nach München reiste. Dort wurde er registriert und mit 6000 anderen Flüchtlingen in einem Heim untergebracht. Einen Monat später kam er nach Gießen, wo er seinen Asylantrag stellte. Von dort ging es für ihn weiter nach Kassel.

Ahmad Shahzad wohnte im Hotel Roma in Niestetal, wo einige Flüchtlinge untergebracht waren. Immer wieder bemühte er sich erfolglos um eine Arbeitserlaubnis. Währenddessen machte der 29-Jährige, der sechs Sprachen spricht, einen sechsmonatigen Deutschkurs bei der Volkshochschule und arbeitete von 2015 bis 2016 ehrenamtlich als Übersetzer.

Dann bekam er von Familie Ullrich die Chance für ein dreimonatiges Praktikum. Er bewährte sich und arbeitete anschließend für 14 Monate als Bauhelfer bei der Niestetaler Baufirma. Seine Arbeitsgenehmigung hatte er mittlerweile auch endlich bekommen.

Vor gut einem halben Jahr begann er seine Ausbildung bei Ullrich-Bau, wo er als Kollege bestens integriert ist. Nach verschiedenen Wohngemeinschaften in Niestetal lebt der Afghane nun in einer Wohngemeinschaft mit zwei deutschen Studenten in Kassel. Shahzad kann gut zupacken und kommt gut mit den Kollegen zurecht. „Es sind alle sehr nett zu mir“, sagt er. „Außer ein paar Verständigungsproblemen hin und wieder, läuft es sehr gut“, sagt auch sein Kollege Frank Horn.

Auch in seiner Heimat hat Ahmad Shahzad als Maurer gearbeitet. „Was hier überwiegend Maschinen erledigen, erforderte dort schwere körperliche Arbeit“, sagt er und verrät, dass er auch nach seiner Ausbildung bei der Firma Ullrich-Bau in Niestetal bleiben will.

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