Melanie und Sebastian Kade fuhren entlang der Seidenstraße

8000 Kilometer mit dem Fahrrad durch Asien

Leere Straßen: Melanie und Sebastian Kade verschnaufen auf ihrem Weg durch die südwestchinesische Provinz Sichuan. Fotos: Kade/nh

Niestetal / Hann. Münden. Versierte Radfahrer waren Melanie und Sebastian Kade nie. Trotzdem ist das Ehepaar im Januar 2014 zu einer Reise quer durch Asien aufgebrochen – insgesamt 8000 Kilometer Wegstrecke, verteilt auf fünf Monate Reisezeit, zurückgelegt auf zwei Rädern.

„Wenn man mit kleinem Budget reist, sitzt man schon mal zwölf Stunden im Bus. Wir wollten den Kontinent aktiv bereisen“, sagt Melanie Kade. Allerdings ernteten sie für ihre Abenteuertour reichlich Kopfschütteln bei den Einheimischen – und jede Menge Mitleid. Denn für die Chinesen ist klar: Wer sich so auf dem Fahrrad quält, ist zu arm für ein Auto.

„Tatsächlich hat mich am meisten beeindruckt, was der menschliche Körper imstande ist auszuhalten“, sagt Melanie Kade. Eisige Nächte bei minus 20 Grad im Zelt, Tageshöchsttemperaturen von 45 Grad in Südchina, Bergwildnis mit berauschenden Panoramen, die mondähnlichen Landschaften der Wüsten Taklamakan und Gobi – die Reise wurde für das Ehepaar zur Extremerfahrung. „Es hat uns gereizt, die riesige Distanz aus eigener Kraft zu überwinden“, erklärt Sebastian Kade.

Eineinhalb Jahre hat sich das Ehepaar, das zu dieser Zeit in Hann. Münden lebte, auf seine Fünfmonats-Tour vorbereitet. Neben ihren Studienabschlüssen – die gebürtige Niestetalerin Melanie in Sineologie, Sebastian in Internationalen Beziehungen – trieben die beiden auch die Sponsorensuche voran. Auf einer Fahrradmesse wurden sie fündig. Ein Händler zeigte sich so begeistert von dem Projekt, dass er nur die Materialkosten für die handgearbeiteten Räder in Rechnung stellte. Um Campingausrüstung und Bekleidung zu finanzieren, gingen Melanie und Sebastian Kade neben dem Studium kellnern.

Mit zwei Rädern und einem Minimum an Ausrüstung brachen sie am 28. Januar schließlich vom kirgisischen Bishkek auf in Richtung chinesische Grenze. Gleich der erste Tag hatte es in sich: „Wir sind mangels anderer Straßen auf der Autobahn gefahren“, sagt Sebastian. „Es herrschte Rekordwinter. Als die Sonne verschwand, gefror das Schmelzwasser im Nu zu rutschigen Eisplatten.“

Heftige Wetterwechsel musste das Ehepaar verkraften, sich vor überfrierenden Schlammmassen in Sicherheit bringen und einen Schneesturm am tibetischen Hochplateau überstehen. „Die Natur zeigt einem die Zähne“, sagt Sebastian. 5000 Kalorien täglich mussten die beiden zu sich nehmen, um die Strapazen zu überstehen. Die Entscheidung, eine körperlich und geistig so intensive Reise zu beenden, sei nicht leicht gefallen. Geholfen habe der Gedanke, ihren größten Traum wahrgemacht zu haben. 

Eindrücke online festgehalten

Eindrücke, Anekdoten und Bilder der Reise von Melanie und Sebastian Kade sind auf ihrer Internetseite www.bishkek2bali.de festgehalten. Während ihrer Tour haben die beiden einen Blog verfasst, der dort ebenfalls abrufbar ist. Hier kann man die Route des Ehepaars entlang der Seidenstraße, vorbei am tibetischen Hochplateau, Reisterrassen, Bambuswäldern und Karstbergen sowie durch Chinas tropischen Süden nachverfolgen. Neben den Reiseeindrücken vermittelt das Ehepaar aber auch handfeste Informationen – die „10 Tipps zum Radeln in China“ etwa. Auch Fakten zum Zelten, die Europäern eher unbekannt sein dürften, werden gegeben – ebenso wie Ratschläge zur Visumverlängerung und dem Umgang mit der Internet-Zensur.

Von Emily Spanel

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