Raus aus der Krise

Analyse: SMA bewältigt den Radikalumbau erstaunlich gut

SMA scheint wieder die Sonne: Unser Archivfoto zeigt den Sitz des Unternehmens in der Sonnenallee in Niestetal. Der Solartechnik-Hersteller ist nach schwerer Krise auf dem Wege der Besserung. Foto: Koch

Niestetal. Was SMA-Vorstand und Belegschaft seit Wochen leisten, ist wahrlich eine herkulische Aufgabe: Im laufenden Betrieb wird der Solartechnik-Hersteller radikal umgebaut.

Wenn die Niestetaler Anbieter von Wechselrichtern aller Leistungsklassen, Hybridkraftwerken und hochwertiger elektrotechnischen Bahnkomponenten damit fertig sind, wird nichts so sein wie früher.

Bis zu 1200 der 3100 Vollzeitstellen wurden und werden gestrichen, weitere 400 an den Auslandsstandorten, ganze Abteilungen aufgelöst, andere verkleinert oder zusammengelegt, Teams neu gebildet. Zahlreiche gemietete Gebäude in der Niestetal und Kassel werden geräumt, um sämtliche Aktivitäten an den drei Hauptstandorten Sonnenallee, Solarwerk 1 entlang der Dresdner Straße sowie das Service-Zentrum auf dem Sandershäuser Berg an der A7 zu konzentrieren.

Zudem müssen Vertrieb und Martketing die neue, wesentlich kompaktere und damit sehr viel preisgünstiger herzustellende, aber mindestens ebenso leistungsfähign Richter-Generation sowie eine Reihe anderer neuer Produkte wie Speicherbatterien in die Märkte drücken.

Lexikonwissen: SMA im Regiowiki

„Um schnellstmöglich wieder Gewinne zu erwirtschaften, hat der Vorstand in den letzten Monaten eine umfangreiche Unternehmenstransformation vorgenommen. Ziel ist es, die Fixkosten bis Ende 2015 um 160 Mio. Euro zu reduzieren“, erklärt Vorstandsprecher Pierre-Pascal Urbon. Mit den schlankeren Strukturen wird der Konzern in der Lage sein, bereits bei einem Umsatz von 700 Mio. Euro schwarze Zahlen zu schreiben. Die ersten Effekte der eingeleiteten Kostensenkungen werden Urbon zufolge bereits im zweiten Halbjahr 2015 zu spüren sein.

Zu Hilfe kommen den Niestetalern derzeit zwei wichtige Entwicklungen: Zum einen beflügelt der günstige Euro den Export in den Dollar-Raum, weil deutsche Waren dort billiger werden, zum anderen hat die Nachfrage in den Auslandsmärkten kräftig angezogen. Vor allem in Nordamerika, Japan, Großbritannien und Australien boomen die Solarmärkte.

Aber es zahlt sich heute auch aus, das SMA wie kein anderer Solartechnik-Spezialist sehr frühzeitig die Internationalisierung vorangterieben hat. Der Technologie- und nach Umsatz immer noch Weltmarktführer ist wie kein zweiter Anbieter weltweit präsent und kann somit am schnellsten auf die globalen Veränderungen reagieren.

Und noch eins hat SMA vor dem Untergang bewahrt. Als die Krise aufkam, hatte das Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro aus den Boomjahren in der Kriegskasse. Die sind zwar mittlerweile auf 211 Millionen Euro zusammengeschmolzen, aber die meisten Unternehmen in dieser Liga haben Verbindlichkeiten - mitunter in ähnlicher Größenordnung.

Wechselrichter in allen Größen 

Wechselrichter wandeln in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom. Außerdem übernimmt die Hochleistunelektronik in modernen Stromnetze wichtige Steuerungs- und Kontrollaufgaben. SMA stellt die Gerätee in allen Leistungsklassen her: vom Mikrorichter für kleinste Solar-, über die normale Dach- und mittelgroße Freilandanlagen bis hin zu Wechselrichtern für große Kraftwerkskomplexe.

Dieses Komplettangebot kann nach eigenen Angaben derzeit kein anderer Hersteller machen.

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- Raus aus der Krise: SMA auf dem Weg in die Gewinnzone

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