Schusswaffe in BMW gefunden

Augenzeuge berichtet von SEK-Einsatz in Sandershausen

Der Balkon als Beobachtungsposten: Insgesamt fünf Stunden dauerte der SEK-Einsatz am Mittwochabend in Niestetal-Sandershausen in der Straße „In den Weiden“. Das Bild zeigt Spezialkräfte in Zivil des Polizeipräsidiums Nordhessen, einen Einsatzwagen der Polizei sowie den Abschleppwagen, mit dem der sichergestellte BMW später abtransportiert wurde. Das Bild wurde mit einem Handy gemacht, und ist deshalb etwas unscharf. Foto: privat/nh

Niestetal. Keine kleine Sache war der SEK-Einsatz am Mittwochabend in Niestetal-Sandershausen. Ein Augenzeuge berichtet von den Ereignissen des Abends.

Aktualisiert am 12.5. um 9.46 Uhr  - Wie der Mann berichtet, seien mindestens sechs SEK-Beamte in voller Montur an dem Einsatz an der Straße „In den Weiden“ beteiligt gewesen. „Das alles hat gegen 19.30 Uhr mit einem sehr lauten Knall angefangen“, sagt er.

Er habe mit seiner Bekannten zu Abend gegessen, als die Vibration dieses Knalls selbst noch 100 Meter entfernt zuhause am Esstisch zu spüren war. „Ich vermute, das war ein Ablenkungsmanöver, um so den Zugriff der SEK-Beamten einzuleiten“, schildert der Augenzeuge. Zusammen mit seiner Bekannten habe er dann vom Balkon aus die weiteren Ereignisse rund um das Nachbarhaus beobachten können.

Zwei Männer um die 30 Jahre seien aus der Souterrain-Wohnung geholt und abgeführt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits weitere Kräfte in Zivil vor Ort, um den Einsatz zu unterstützen. „Ob allerdings von der Polizei Gegenstände sichergestellt und aus der Wohnung geschafft wurden, kann ich nicht sagen“, sagt der Augenzeuge.

Dafür aber hatte seine Bekannte direkt unter dem Schlafzimmerfenster die Durchsuchung eines dort geparkten BMW mitverfolgt. „Ich habe gesehen, wie Polizisten Telefonkarten, zwei rote Autonummernschilder mit Warburger und Höxter Kennzeichen sowie eine Schusswaffe aus dem Wagen geholt haben. Einer der Polizisten sagte, es handele sich um eine Gaspistole“, sagt die Augenzeugin. Der BMW sei später dann abgeschleppt worden.

Indessen will die Polizei keine Angaben über den Einsatz in Sandershausen machen. „Es stimmt, dass Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Nordhessen beteiligt waren“, sagt Sprecher Matthias Mänz. Der eigentliche SEK-Einsatz sei aber vom Landeskriminalamt Berlin ausgegangen. Doch auch dort geben die Sprecher keine Informationen, „aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie Martin Halweg vom Landeskriminalamt Berlin sagt. Nur eines: „Der Einsatz steht im Zusammenhang mit einem Betrugsverfahren“.

So lässt sich die Qualität der offenbar schon begangenen Betrugsdelikte nur erahnen. Um die beiden Männer dingfest zu machen, bedurfte es eines Sondereinsatzkommandos. Das heißt, dass eine Bewaffnung der Männer grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden konnte. Auch die im Auto gefundenen roten Nummernschilder und Telefonkarten (zur Identitätsverschleierung) lassen die Vermutung zu, dass es sich bei den Männern möglicherweise um Mitglieder eines gut organisierten und vielleicht auch deutschlandweit agierenden Betrügerrings handelt.

So arbeitet das SEK:

SEK steht für Spezialeinsatzkommando und ist eine Spezialeinheit der Polizei in Deutschland. Die Polizei jedes Bundeslandes verfügt über mindestens ein SEK. SEK-Beamte sind für Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiung und Zugriffe ausgebildet. Sie kommen bei besonderen Gefährdungslagen sowohl präventiv (zum Beispiel zum Schutz bei Staatsbesuchen), als auch operativ (auf Anforderung regulärer Polizei) zum Einsatz. Öffentlichkeitswirksame SEK-Einsätze finden häufig im Rahmen von Geiselnahmen oder bei brisanten Entführungsfällen statt. Derartige Einsätze machen jedoch nur einen geringen Teil des SEK-Alltags aus. 

Die meisten Einsätze sind die Vollstreckung von Haftbefehlen, die Verhinderung von Suizidversuchen oder die Begleitung von Gefangenentransporten. Es werden auch Razzien im Bereich der organisierten Kriminalität durchgeführt. Zum Aufgabengebiet gehört auch Personen- und Zeugenschutz.

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