30-Jähriger aus Niestetal steht vor Gericht

Ausraster unter Alkohol und Drogen: „Ich bringe Dich und deine Familie um“

Niestetal. Ein 30-jähriger Mann aus Niestetal steht derzeit wegen Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung vor dem Kasseler Amtsgericht.

Bis zu zweieinhalb Promille Alkohol im Blut, garniert mit einem Drogencocktail aus Kokain und Amphetaminen: Da scheint es geradezu zwangsläufig, dass ein 31-jähriger Mann aus Niestetal immer wieder ausrastete.

Genau das hat den Mann, der seit Februar in Wehlheiden in Untersuchungshaft sitzt, jetzt vor das Amtsgericht gebracht. Staatsanwältin Schöpf warf ihm in ihrer Anklage in sechs Fällen gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung vor.

So weit er sich an die Taten erinnern konnte, räumte der gebürtige Kasseler am Mittwoch alles mit murmelnd-leiser Stimme ein.

So beherrscht und reuevoll der muskulöse junge Mann am Mittwoch vor Einzelrichterin Hämel auftrat, so rabiat trat er bei den Straftaten in Erscheinung. Im Bistro einer Tankstelle an der Sandershäuser Straße in Kassel räumte er im Mai 2016 nach einem Streit um die Rechnung den Tresen ab und bedrohte die Familie des Mitarbeiters mit dem Tode: „Ich bringe Dich und deine Familie um“, soll er stark alkoholisiert gebrüllt haben.

Schlagstock und Jagdmesser

Zwei Wochen später warf er eine Vase gegen die Haustür seiner Ex-Freundin. Nachbarn, die ihn zur Rede stellten, bedrohte er mit einem Teleskopschlagstock und einem Jagdmesser mit fast zwölf Zentimeter langer Klinge. Nach einem Gerangel mit einem 59-Jährigen zerschlug er mit dem Messerknauf die Scheiben am Auto des Kontrahenten.

Mit einem erstaunlichen Maß an Zivilcourage wurde er von einem 54-jährigen Nachbarn im Forstfeld festgehalten, zu Boden gebracht und der Polizei übergeben. 14 Tage später rief er trotz gerichtlichen Verbotes seine Ex-Freundin an: „Ich mach Dich kalt, ich bring’ Dich um“, waren diesmal seine Worte.

Im August schließlich zerstach er die Reifen am Fahrrad einer anderen Ex-Freundin, riss einen Lattenzaun heraus und zerdepperte eine Scheibe damit. Bei der ersten Freundin schließlich rammte er ein Messer in den Pkw-Reifen. Später warf er ihr einen Briefumschlag mit 100 Euro in den Briefkasten. Das Verfahren in diesem Fall wurde bereits eingestellt.

Ein offenbar über Wochen dauernder Streit schwelte mit einem Nachbarn und gelegentlichem Saufkumpane – da wurden Türen eingetreten und mit Messer und Eisenstange gedroht.

Er sei „in einer schwierigen Lebensphase“ gewesen, versuchte er eine Erklärung für sein Tun. Seine Schwester sei vor drei Jahren gestorben, während er in Haft saß. Das habe ihn alles aus der Bahn geworfen. Ein knappes Dutzend Zeugen wurde am Mittwoch vernommen. Der Angestellte der Tankstelle kam nicht und bekam ein Ordnungsgeld aufgebrummt.

Fortsetzung am 5. September

Das Verfahren wird am Dienstag, 5. September, um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll ein psychiatrisches Gutachten vielleicht Licht ins Seelenleben des Mannes bringen.

Rubriklistenbild: © dpa

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