Lohfelden und Kaufungen sind aber geschützt

Autobahn 7: Niestetaler gucken bei Lärmschutz in die Röhre

Wohngebiet gleich hinter der Autobahn: Oberhalb von Sandershausen trennt nur ein niedriger Wall die Häuser von der viel befahrenen Fernstraße. Im Hintergrund sind das Betriebsgelände von SMA und das Müllheizkraftwerk zu erkennen. Fotos: Ketteritzsch

Niestetal. Die Lärmschutzwand, die zurzeit entlang der Autobahn 7 bei Lohfelden und Kaufungen-Papierfabrik entsteht, ist in doppelter Hinsicht gigantisch.

Bis zu zwölf Meter ragt die Wand in die Höhe, gut 50 Millionen Euro kosten die ansehnlich gestalteten Barrieren, deren Bau 2015 auch auf der Kasseler Seite der Autobahn beginnt.

Wenige Kilometer weiter nördlich sieht alles ganz anders aus: Hinter der Anschlussstelle Kassel-Ost sind praktisch genauso viele Fahrzeuge unterwegs (bei der letzten Verkehrszählung 2010 waren es 72.900 pro Tag), doch ist der Lärmschutz dort nicht der Rede wert.

Während die Menschen in Lohfelden, Papierfabrik und den östlichen Kasseler Stadtteilen bald bestmöglich vom Lärm abgeschottet werden, bekommen viele Bewohner von Heiligenrode und Sandershausen weiterhin die volle Dröhnung ab. Bürgermeister Andreas Siebert (SPD) kommentiert den Missstand im HNA-Gespräch mit einem sarkastischen Satz: „In Niestetal besteht der Lärmschutz aus einer Leitplanke.“

Andreas Siebert

Tatsächlich sind die Menschen dem Lärm von der Autobahn mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt - und dass, obwohl die jüngste, aus dem Jahr 2012 stammende Lärmkartierung einen Tagespegel von bis zu 75 Dezibel (A) ausweist. Zur Einordnung: Dies entspricht Geschrei oder - direkt an der Autobahn - dem nervtötenden Krach eines Presslufthammers.

Nur zwischen 2,85 und 3,65 Meter hoch sind die Lärmschutzwände nach Auskunft von Horst Sinemus, Sprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, nördlich von Kassel-Nord. Am niedrigsten sind sie direkt auf der Autobahnbrücke, die von Anwohnern schon vor Jahren als größter Schwachpunkt in Sachen Lärm ausgemacht wurde.

Für Bürgermeister Siebert ist das Maß voll. „Wir sind das Stiefkind an der Landesgrenze“, sagt der Verwaltungschef in Richtung Wiesbaden. Und: „Wir sind jetzt dran!“ Es werde geflissentlich ignoriert, dass der Verkehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen habe.

Das bestreitet man auch bei Hessen Mobil nicht. „Die Lärmschutzanlagen bei Niestetal wurden 1993 errichtet“, sagt Behördensprecher Sinemus. Seither hat sich bei Heiligenrode und Sandershausen baulich nichts getan.

Viel Hoffnung, dass sich die Situation ändert, macht Sinemus den Niestetalern nicht. Anders als die sogenannte Lärmvorsorge wegen des achtstreifigen Ausbaus der A 7 bei Lohfelden, Kaufungen und Kassel würde es sich bei Niestetal um eine Lärmsanierung handeln. Sinemus: „Das ist eine freiwillige Leistung des Bundes oder des Landes. Die Hürden dafür sind sehr hoch.“

Von Peter Ketteritzsch

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