Zweimal bei Aktenzeichen XY...ungelöst

Noch immer nicht gefasst: Fahrrad-Räuber überfiel vier Sparkassen

Tatort Nummer vier: Am 12. November 2014 schlug der Fahrrad-Räuber in der Sparkasse Sandershausen zu. Die Filiale hatte gerade geöffnet. Foto: nh

Niestetal. Viermal schon überfiel der „Fahrrad-Räuber" Sparkassenfilialen - Seit über drei Jahren fahndet die Polizei erfolglos

Er ist noch immer auf freiem Fuß. Und er könnte jederzeit wieder zuschlagen. Die Polizei zumindest schließt das nicht aus.

Nur ein verschwommenes Bild: Beim Überfall auf die Sparkasse in Sandershausen schoss die Überwachungskamera dieses Foto vom Täter. Foto: Polizei

Die Rede ist vom sogenannten „Fahrrad-Räuber“, der zwischen 2012 und 2014 im Raum Kassel viermal eine Sparkasse überfiel - immer mit Pistole bewaffnet und einer Beute von mehreren Tausend Euro. Die letzte Sparkasse war die in Sandershausen an der Hannoverschen Straße. Das war am 12. November 2014, also vor fast einem Jahr - bis heute hängt dort im Fenster ein Fahndungsplakat der Polizei.

Tatsächlich liegen die einzelnen Überfälle oft Monate auseinander, in einem Fall sogar fast anderthalb Jahre. Auch schlug der Räuber mal am frühen Morgen zu, mal am Abend - ein Rhythmus ist nicht erkennbar. Was den Täter jedoch auszeichnet, ist sein Fluchtverhalten.

„Bisher keine Ergebnisse“

Jedes Mal floh er mit einem unauffälligen Fahrrad. Und: Jedes Mal war der Mann, dessen Alter die Polizei auf 30 bis 40 Jahre schätzt, relativ auffällig gekleidet. Ein kariertes Sakko, eine bunte Strickmütze, einen gelben Pulli oder eine bunte Krawatte - beim letzten Mal in Sandershausen trug er sogar eine orangefarbene Warnweste und einen Bauhelm. Immer bedrohte er das Sparkassenpersonal mit einer silbernen Pistole. Sein Gesicht hatte er mit einem künstlichen Bart und/oder einer dicken Hornbrille unkenntlich gemacht.

„Tatsächlich haben die Ermittlungen bis heute kein Ergebnis erbracht“, sagt Polizeisprecher Jürgen Wolf. Weder seien bislang die Waffe oder einzelne Accessoires des Räubers irgendwo aufgetaucht. Auch die Herkunft der Fahrräder sei weiterhin unklar.

Dabei hatte der Fahrrad-Räuber inzwischen zwei große Fernseh-Auftritte. Einmal in der ZDF-Reihe „Aktenzeichen XY... ungelöst“ im April 2014, und noch einmal im Kriminalreport des Hessischen Rundfunks im Februar 2015. „Doch auch diese Sendungen haben nichts gebracht“, sagt Wolf. Eine weitere Sendung sei zunächst nicht geplant. So gibt es bis heute keine neuen Details zum Täter.

Markenzeichen des Täters: Bei jedem Überfall floh der Räuber mit einem unauffälligen Fahrrad – wie mit diesem nach dem Überfall auf die Sparkasse in Sandershausen. Foto: Polizei/nh

Schon fast scheint es so, als sei die Polizei selbst ein wenig überrascht darüber, solch einen dreisten Räuber über Jahre nicht dingfest machen zu können. „Normalerweise werden solche Straftaten in 80 Prozent aller Fälle aufgeklärt“, sagt Wolf. Fakt ist aber auch: „In Kassel und Umgebung hat es eine derartige Überfallserie noch nicht gegeben.“

Und so kann die Polizei bis heute nicht ausschließen, dass der Täter noch ein fünftes Mal zuschlägt. Dafür spricht, dass dafür nach fast einem Jahr die Zeit wieder reif wäre. Und: Bislang ist seine Fahrradflucht-Strategie immer aufgegangen.

„Grundsätzlich gefährlich“

Die Polizei zumindest schätzt den Mann grundsätzlich als gefährlich ein. „Zwar gab es in keinem Fall körperliche Angriffe. Aber die Drohung mit der Waffe stellt schon eine große psychische Gewalt dar“, sagt Wolf. Auch sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter aus der Region stamme, relativ hoch. „Wir ermitteln weiter, bis wir ihn haben“, sagt Wolf. Längst hat die Sparkasse eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

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