13 Monate Haft und Entzugsklinik

Bedrohung und Körperverletzung: Aggressiver Niestetaler verurteilt

Kassel/Niestetal. Wegen Sachbeschädigung, Bedrohung und Körperverletzung in sechs Fällen verurteilte Amtsrichterin Hämel am Dienstag einen 32-jährigen Niestetaler zu 13 Monaten Haft.

Der hochgewachsene, schlanke Mann sitzt bereits seit Februar in Untersuchungshaft. Jetzt soll er in eine Entzugsklinik kommen, um endlich sein Alkohol- und Drogenproblem in einer stationären Therapie anzugehen. Dass dies dringend nötig ist, sah gestern auch der Angeklagte ein, der mit leiser, kaum verständlicher Stimme seine Zustimmung murmelte.

So leise war er nicht immer: In der Esso-Tankstelle an der Sandershäuser Straße in Kassel war er mit einem Angestelten über die Rechnung in Streit geraten, hatte ihn und dessen Familie mit dem Tode bedroht und den Tresen abgeräumt. Später randalierte er vor der Wohnung seiner Ex-Freundin, legte sich mit Nachbarn an, drohte einem ihn „abzustechen“ und zertrümmerte die Pkw-Scheiben seines Kontrahenten. Bei einer anderen Ex zerstach er Auto- und Fahrradreifen, beschädigte Lattenzaun und Haustür.

Strafverschärfend kam hinzu, dass er dies alles unter laufender Bewährung tat. Denn der unscheinbar wirkende Niestetaler hat ein Strafregister, das sich gewaschen hat: Sachbeschädigung, Schwarzfahren, Diebstahl, Computerbetrug, vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Polizisten, Fahren ohne Führerschein und Unfallflucht führten bislang seit 2003 zu mehr als einem Dutzend Verurteilungen und einigen Haftstrafen.

Der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann konnte in seinem Gutachten dem Gericht wenig Hoffnung auf ein künftig straffreies Leben des Angeklagten machen.

Der habe in seinem Leben noch kaum etwas auf die Reihe bekommen, stets nur kurze Arbeitsverhältnisse gehabt, seit vielen Jahren einen exzessiven Alkoholkonsum praktiziert und immer wieder Amphetamine eingeworfen.

Stolpmann bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Gerade unter Alkohol und Drogen könne er seine Affekte nicht beherrschen. Stolpmann: „Der Angeklagte verfügt über keine Werkzeuge, um Konfliktsituationen friedlich zu lösen. Er zeigt stets ein egozentrisches, aggressives Verhalten.“

Die Einsicht des Angeklagten darin, dass seine Handlungen strafbar seien, ist nach Einschätzung Stolpmanns nicht getrübt, allerdings ist seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt. Sämtliche jetzt angeklagten Straftaten habe er in diesem Zustand verübt.

Eine gute Sozialprognose vermochte der Psychiater dem Niestetaler nicht zu stellen. Vielmehr seien neue Straftaten sehr wahrscheinlich. „Eine Therapie ist dringend erforderlich, aber der Angeklagte muss das auch wollen. Sonst hilft es nichts.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / David Ebener/

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