Fraßspuren an der Nieste

Der Biber ist an den Auen im Raum Kassel sesshaft geworden

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Nicht mehr viel, und der Baum kippt: Die frischen Nagespuren an einer Weide inmitten der Fuldaauen verraten die Anwesenheit des Bibers. Entdeckt haben die Spuren die RP-Mitarbeiter Nathalie Bäcker und Axel Krügener.

Fuldabrück. Der Biber scheint in Raum Kassel sesshaft geworden zu sein. Immer wieder werden neue Belege für die Rückkehr des Nagers in die Fuldaauen entdeckt. 

Genau ein Jahr, nachdem in den Fuldaauen bei Fuldabrück eindeutige Fraßspuren an Sträuchern sowie mehrere komplett umgenagte Weidenbäume gefunden worden waren, ließen sich nun an gleicher Stelle erneut derartige Spuren des bis zu 30 Kilogramm schweren Tieres finden. Aufmerksame Naturbeobachter hatten schon im Februar unverwechselbare Fraßmale an Gehölzen entlang der Nieste vor allem im Bereich der Fuldawiesen bei Niestetal-Sandershausen entdeckt.

„All diese Spuren deuten darauf hin, dass entlang der Fulda bei Kassel sich nun tatsächlich zumindest ein Biber dauerhaft niedergelassen hat“, sagt Axel Krügener, zuständiger Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium Kassel. Jedoch ließen sich aktuell die Fraßspuren nicht häufig genug finden, um zu sagen, dass bereits eine ganze Biber-Familie an der Fulda lebt. „Auch ist noch nirgends eine Biber-Behausung in Form eines markanten, von Wasser umgebenen Asthaufens zu sehen“, sagt Krügener. Stattdessen aber lassen sich finden: Gefällte Sträucher, meist Weiden, zwei rund 50 Zentimeter dicke Weidenbäume, die – schon fast durchgenagt – kurz vor der Fällung stehen, sowie unzählige komplett abgeschälte Äste und Zweige.

Einjährige Fraßspuren: Vor allem im Winter 2016/2017 waren der oder die Biber in den Fuldaauen sehr aktiv. Foto: Naumann

„Das entspricht genau dem Verhalten der Biber in der kalten Jahreszeit“, sagt Krügener. „Die Biber nagen die Bäume um, um an die Rinde zu kommen, die sie dann fressen.“ Im Sommer gebe es solche Spuren nicht. Dann ernähren sich die Tiere von Wasserpflanzen.

Die Wiederkehr des Bibers im Raum Kassel ist noch immer bemerkenswert, galt der Nager hier doch gut 400 Jahre lang als ausgestorben. Ende der 1980er Jahre waren 18 Tiere bei Schlüchtern im Sinntal (Ost-Spessart) ausgewildert worden. Seither ist der Biber in Nordhessen auf dem Vormarsch und erobert langsam die Auengebiete. Vermutlich wird es in 20 Jahren wieder normal sein, auf Biberspuren zu stoßen. Der erste Biber bei Kassel war im Jahr 2013 aufgetaucht.

Doch ein Wermutstropfen hat das Ganze: Selbst in nur schwer zugänglichen Bereichen der Fuldaauen lassen sich im wilden Brombeergestrüpp immer wieder freigeschnittene Pfade erkennen. „Vermutlich handelt es sich dabei um Schwarz-Angler, die hier nichts verloren haben“, sagt Krügener. Immerhin sei der Biber streng geschützt.

Fraßspuren hat der Biber auch an den Sandershäuser Fuldawiesen hinterlassen. Foto: privat/nh

„Die scheuen Tiere sollten einfach nur in Ruhe gelassen werden“. Biber, die zu häufig gestört würden, würden ihr Revier schnell wieder verlassen. Dabei erfülle der große Nager eine wichtige ökologische Funktion. Gewässer, an denen Biber leben, sind in der Regel artenreicher, weil der Biber seine Umwelt aktiv umgestaltet. Dadurch entstehen wiederum neue Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, die sonst so nicht vorkommen würden.

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