Umgang mit sozialen Netzwerken stellt Schulen vor große Herausforderungen

Cyber-Mobbing an Niestetaler Schule: Sexbilder und Häme bei Facebook

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Digitales Lernen: Für die Zehntklässler Philipp Schneider (von links), Carolin Fuchs und Tim Holzapfel gehört der Umgang mit den neuen Medien zum Alltag. Auch in der Schule arbeiten sie auf den internetbasierten Plattformen wie Mahara und Moodle: Dort stellen sie ihre Unterrichtsbeiträge wie Texte, Fotos und Videos ein, um sie mit anderen Mitschülern zu teilen.

Niestetal. Beleidigungen und Hänseleien über das Internet sind keine Seltenheit. Kürzlich ist die Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal Opfer einer virtuellen Attacke geworden.

Und das, obwohl die Schule Medienkompetenz schon seit Jahren im Unterricht vermittelt.

Beschimpfungen, Beleidigungen, Sexismus, Ausländerfeindlichkeit und Schwulenhass: Was sich auf der Facebook-Seite der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal kürzlich abgespielt hat, ist erschreckend. Eine bislang nicht ermittelte Person hatte am Sonntag vor einer Woche ein Fake-Profil bei Facebook mit dem Titel „Klassenfahrt nach Sylt (Jahrgang 7.)“ erstellt.

Innerhalb weniger Stunden tummelten sich bis zu 1000 Facebook-Nutzer auf dieser Seite, luden unter anderem Nacktfotos und Bilder von diversen Drogen wie Marihuana und Crystal Meth (synthetische Designerdroge) hoch. Schüler und Lehrer wurden beleidigt und aufs Übelste beschimpft. Die gute Nachricht: Die Facebook-Seite war bereits einen Tag später gelöscht.

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„Als Administrator unserer Facebook-Seite werde ich auf alle Aktivitäten aufmerksam gemacht“, erklärt Jörg Butterweck, Rektor und Stufenleiter an der Wilhelm-Leuschner-Schule, der das falsche Profil noch an dem Sonntagabend an Facebook gemeldet hatte. Glücklicherweise beschäftige sich die Schule schon einige Jahre mit sozialen Medien und habe so schnell reagieren können. Eine Anzeige wegen Internetkriminalität wurde bei der Polizei erstattet.

„Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen, wir sind seit drei Jahren bei Facebook, aber bislang ist uns so etwas noch nicht passiert.“, sagt Schulleiterin Ana Viehmann, die nach der Cyberattacke alle Lehrer des Jahrgangs 7 zusammengerufen hatte, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Wir werden diesen Shitstorm (Welle der Beleidigungen) nicht unter den Teppich kehren“, sagte Viehmann, und die IT- und Datenschutzbeauftragte der Schule, Jannetje Egbers, ergänzte: „Auch ich als Medienpädagogin habe aus diesem Vorfall gelernt, wie schnell eine Identität gekapert werden kann.“

Schule ist Vorreiter 

Dabei kann die Schule als Vorreiter in Sachen Medienkompetenz gesehen werden. Die Bildungseinrichtung hatte bereits 2013 ein Medienkonzept zum Umgang mit Facebook, Whatsapp und Co. gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern entwickelt, um die Sensibilisierung auf allen Ebenen zu optimieren.

Ein daraus entstandenes Projekt ist die AG Digitale Helden für die Schüler der Klassen acht und neun, die als „Helden“ die Fünftklässler informieren und als Ansprechpartner fungieren. Denn die Wilhelm-Leuschner-Schule setzt nicht auf Verbote: „Digitale Medien sind nicht grundsätzlich schlecht“, sagt Egbers und ergänzt: „Heute hat fast jeder Fünftklässler ein Smartphone, davor können wir die Augen nicht verschließen.“ Deshalb setzt die Schule auch im Unterricht auf digitales Lernen. So erhält jeder Schüler ab der 5. Klasse ein Profil und kann unter Aufsicht, aber selbstständig auf seinen eigenen Datenpool zugreifen.

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