Alle Geräte werden geprüft

Dauerstress für Wechselrichter im modernen SMA-Testlabor

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Abgeschirmt: In einer speziellen Kammer werden die Wechselrichter unterschiedlichen Strahlungen ausgesetzt. Gleichzeitig wird geprüft, ob die eigene Strahlung etwa den Polizei- oder Rettungsfunk stört.

Niestetal. Die Wechselrichter des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA sind leidensfähig und hart im Nehmen. In speziellen Labors werden sie harten Tests unterzogen.

Bevor sie in Großserie gehen, werden Prototypen und Vorserien in den beiden Testlaboren des Unternehmens intensiv geprüft. Schließlich müssen sie Jahrzehnte lang unter widrigsten Witterungsbedingungen funktionieren – bei Kälte und Hitze, Regen, Wind und Staub.

Große Klimakammern

In großen Klimakammern werden die Geräte, die in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln, Temperaturen von 40 Grad minus bis 90 Grad plus ausgesetzt. Auf einer tonnenschweren Rüttelplatte müssen sie stundenlange Erschütterungen über sich ergehen lassen und werden starkem Regen ausgesetzt – eine echte Tortur. Mit speziellen Apparaturen simulieren die SMA-Spezialisten die Bedingungen in unterschiedlichen Netzen. Mit Kälte, Überhitzung und extremer Beanspruchung lassen sie die Wechselrichter beschleunigt altern, um zu sehen wie anfällig sie sind, wenn sie in die Jahre kommen.

Aber die Tests drehen sich nicht nur um Funktion, Zuverlässig- und Langlebigkeit, sondern auch um die Themen Sicherheit und Netzintegration. Schließlich gibt es eine Vielzahl von nationalen Standards und Besonderheiten. Die Erfordernisse an die Herzstücke einer jeden Solaranlage sind im Inland andere als etwa in den USA, Indien, China oder Japan. Und für alle Länder haben die Niestetaler Zulassungen und Akkreditierungen bis hin zu Genehmigungen, die eigenen Messanlagen selbst einstellen (kalibrieren) zu dürfen der ultimative Ritterschlag in der Prüftechnik.

Rütteltest: Hier werden die Wechselrichter auf ihre Stabilität hin geprüft. Beim Transport – vor allem – in entlegene Regionen sind sie häufig starken Erschütterungen ausgesetzt.

Besonderen Raum nimmt in den Testlaboren auch die elektromagnetische Strahlung ein, die von jedem elektrischen Gerät ausgeht. In einer abgeschirmten Kammer, die keine Fremdstrahlung hineinlässt, prüfen die Techniker, wie das Gerät auf unterschiedliche Strahlungsarten reagiert, vor allem aber, ob die eigene Strahlung wichtige Funksignale wie die der Polizei oder von Feuerwehr und von Rettungsdiensten stört.

SMA nimmt für sich in Anspruch, die härtesten und vollständigsten Tests aller Wechselrichter-Hersteller zu machen. „Labore wie unsere haben die Wettbewerber nicht“, erklärt SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon und verweist auf Sicherheits- und Leistungsdefizite vieler fernöstlicher Produkte.

„Wir sind offen für den Wettbewerb, setzen uns aber auch vehement dafür ein, dass Normen und Gesetze eingehalten werden. Anders ist fairer Wettbewerb nicht möglich“, appelliert Urbon an die Politik, für mehr und vor allem strengere Kontrollen zu sorgen.

Geprüft werden aber nicht nur Prototypen und Vorserien. Jeder Wechselrichter und dessen elektronisches Herzstück (Stack) verlässt das Werk erst nach einer Ausgangsprüfung. Nach SMA-Angaben ist das einzigartig. Andere Hersteller würden lediglich Stichproben vornehmen.

Weltmarktführer mit 3200 Beschäftigten

SMA produziert Wechselrichter in allen Größen – von Geräten für die kleine Hausdachanlage bis hin zu Anlagen für solare Großkraftwerke. Außerdem stellt das Niestetaler Unternehmen Hybrid-Kraftwerke her, bei denen fossile Energieträger mit Fotovoltaik und/oder Windkraft kombiniert werden. Sie kommen auf Inseln oder in entlegenen Regionen ohne Anschluss an ein Stromnetz zum Einsatz. Im vergangenen Jahr hat SMA knapp 947 Millionen Euro umgesetzt und einen Reingewinn von fast 30 Mio. Euro erzielt. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen wegen des anhaltenden Preisdrucks durch chinesische Anbieter einen Umsatzrückgang auf 830 bis 900 Mio. Euro sowie mindestens eine schwarze Null beim Ergebnis. SMA verfügt über Barreserven von 413 Mio. Euro. Das im TecDax gelistete Unternehmen beschäftigt weltweit 3200 Mitarbeiter, davon zwei Drittel in Niestetal und Kassel.

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