Mobiler Klimaschutz

E-Sportwagen als Dienstwagen: Lob für SMA-Vorstand

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Geballte Kraft: Mit einem Tesla Model S fährt SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon regelmäßig zur Arbeit – von der Kasseler Innenstadt raus nach Niestetal-Sandershausen. Auch SMA-Technologie-Vorstand Jürgen Reinert fährt einen Tesla Model S. Unser Symbolbild entstand im Frühjahr auf der Auto China Motorshow in Peking.

Niestetal. Die Deutsche Umwelthilfe zeichnet SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon mit "Grüner Karte" aus. Doch ist sein E-Sportwagen, ein Tesla, in Sachen Kohlendioxidausstoß wirklich öko? Er ist es! 

Die Deutsche Umwelthilfe (DHU) meint es gut mit SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon. Er ist einer von nur vier Firmenchefs in Deutschland, die jetzt von der DHU die "Grüne Karte" für das Fahren eines besonders umweltfreundlichen Dienstwagens bekommen haben.

Urbon fährt einen Tesla Model S, also einen E-Sportwagen. Der Kohlendioxidausstoß, so die DUH, liege unter dem aktuellen EU-Zielwert von 130 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer – nämlich bei nur 124 Gramm.

Pierre-Pascal Urbon

Ein Tesla ist ein Sportwagen. Sein Antrieb – je nach Modell – leistet zwischen 235 kW (320 PS) und 396 kW (538 PS). Das Spitzenmodell beschleunigt von Null auf Hundert Kilometer pro Stunde in nur 2,7 Sekunden. Ist das alles wirklich so umweltfreundlich? Die HNA rechnet nach:

Ein Tesla Model S mit mittlerer Motorisierung verbraucht innerorts auf 100 Kilometern 23,8 Kilowattstunden Energie (kWh). 9,4 kWh Energie stecken in einem Liter Benzin. Rechnerisch müsste Urbon also nur 2,5 Liter Benzin tanken, um mit seinem Tesla in Kassel 100 Kilometer weit zu kommen. Weil ein Benzinmotor jedoch nur einen Wirkungsgrad von etwa 20 Prozent hat (das heißt: Nur 20 Prozent der Energie eines Liters Benzin wird tatsächlich in Bewegungsenergie umgewandelt, während der große Rest als Wärmeenergie verpufft), müsste Urbon also schon 12,6 Liter (118,4 kWh Energie) in den Tank schütten. Für einen Sportwagen ist das normal.

Nun fährt Urbon nicht mit einem Benzin-, sondern mit einem Elektromotor. Ein Elektromotor ist mit einem Wirkungsgrad von 85 Prozent deutlich effektiver als ein Benzinmotor. Wenn also ein Tesla 23,8 kWh Strom (2,5 Liter Benzin) auf 100 Kilometer Stadtverkehr verbraucht, dann ist dort der Energieverlust durch Abwärme von 15 Prozent schon mit eingerechnet.

Aber auch 23,8 kWh müssen erst einmal erzeugt werden: In Deutschland speist sich Strom laut Bundeswirtschaftsministerium heute zu etwa 31 Prozent aus erneuerbaren Energien. Im Umkehrschluss heißt das, das nach wie vor gut 53 Prozent des Stroms immer noch durch die Verbrennung fossiler Energieträger erzeugt wird – Braunkohle (25 Prozent), Steinkohle (18 Prozent), Erdgas (10 Prozent). Die restlichen 16 Prozent sind Atomstrom und andere Energieträger.

Das heißt also: 12,6 kWh der insgesamt 23,8 kWh Energie, die ein Tesla benötigt, sind immer noch fossilen Ursprungs. Kohlendioxid-Ausstoß dadurch: 113 Gramm pro Kilometer (wenn ein realistischer Durchschnittswert bei der Verbrennung von Kohle und Gas im Mix von 900 Gramm Kohlendioxid pro kWh Strom vorausgesetzt wird). Werden dann noch die Energieverluste durch den Stromtransport via Überlandleitungen hinzugerechnet, ergibt sich tatsächlich der von der DHU ermittelte Wert von etwa 124 Gramm Kohlendioxid für jeden gefahrenen Kilometer.

Erst wenn laut EU-Stufenplan ab dem Jahr 2020 nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bei Neufahrzeugen zulässig sein sollen, muss Urbon auch den Tesla in der Garage stehen lassen.

Dort steht schon jetzt sein Porsche 911. Ob er damit noch fährt, ließ sich gestern nicht endgültig klären – Urbon war unterwegs und nicht zu erreichen. Ein Nachbar aber sagt, dass der lautstarke Motor seines Porsche ab und zu noch zu hören sei.

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