Weibchen ist wegen des milden Winters offenbar nicht nach Afrika gezogen

Erster Storch ist nach Niestetal zurückgekehrt

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Nach nur kurzer Zeit wieder zurück: Erstmals am vergangenen Donnerstagmittag wurde das Weibchen des Sandershäuser Storchenpaares auf seinem seit 2012 angestammten Nest gesichtet.

Niestetal. Auf dem Brutplatz in Sandershausen wurde in diesem Jahr der erste Storch gesichtet: Das Weibchen ist wegen des milden Winters offenbar nicht nach Afrika gezogen.

Da hat der Winter gerade erst angefangen, und schon ist der erste Storch ans Storchennest in Sandershausen zurückgekehrt. „Kaum zu glauben“, sagt Hobbyfotograf Johannes Brenner aus Kassel, der das Niestetaler Storchenpaar schon seit 2012 mit seiner Kamera beobachtet. „So früh kam in den vergangenen Jahren noch nie ein Storch in Sandershausen an“. Den ersten Schnappschuss machte er am vergangenen Donnerstag. „Um 13 Uhr kam der Vogel angeflogen und klapperte zur Begrüßung erst mal auf seinem Nest mit dem Schnabel – obwohl der Partner noch gar nicht da ist“, sagt Brenner.

Seit 2012 in Sandershausen

Tatsächlich handelt es sich bei dem zurückgekehrten Tier um das Weibchen, das schon seit 2012 den Brutplatz nahe Fulda und Nieste in Sandershausen nutzt. „Dies konnte ich durch die Ringnummer feststellen“, sagt Brenner. Im ersten Brutjahr 2012 hatte das Weibchen noch einen anderen Partner, seit 2013 dann das immer gleiche Männchen. „Das wird wohl spätestens bis März gefolgt sein – wenn ihm auf seiner langen Flugreise aus dem Winterquartier nichts passiert ist“, sagt Brenner. Beide Vögel sind inzwischen sieben Jahre alt. Das Weibchen stammt ursprünglich aus Mengen nördlich des Bodensees, das Männchen aus Diespeck zwischen Würzburg und Nürnberg.

„Immer mehr Störche machen sich gar nicht mehr die Mühe, die lange, gefährliche und energiezehrende Flugreise ins Winterquartier nach Zentral- und Südafrika anzutreten“, sagt Peter Lorenz von der Nabu-Ortsgruppe Kassel. Das Klima werde immer wärmer, die Winter milder. „Inzwischen bleiben geschlossene Schneedecken zumindest in tieferen Lagen immer häufiger aus, so dass Störche selbst im Januar und Februar noch genügend Nahrung finden“, sagt Lorenz. Die Kälte sei für die Tiere gar nicht mal so das Problem. „Die Storchenpaare aus Wabern beispielsweise fliegen schon seit Jahren nicht mehr in den Süden“.

Storchennest in Niestetal-Sandershausen

So könne es gut sein, dass das Sandershäuser Storchenweibchen erst gar nicht nach Afrika geflogen ist, sondern schon in Südfrankreich oder irgendwo auf dem Balkan Station gemacht hat. Normalerweise führen die beiden Hauptflugrouten der westeuropäischen Störche entweder über die Meerenge von Gibraltar, oder über den Balkan, die Türkei und den Suezkanal nach Afrika. „Diese Flugrouten sind natürlich extrem lang und gefahrenvoll – und sie sind für die Vögel eine enorme Kraftanstrengung“, sagt Lorenz. Insofern nutzten die Tiere jede Gelegenheit, nicht fliegen zu müssen. „Und diese Gelegenheit ergibt sich, wenn das Nahrungsangebot bei uns auch im Winter ausreichend ist.“ Im Übrigen verhielten sich immer mehr typische Zugvogelarten so – wie der Star. „Auch Teile unserer Starenpopulation bleiben immer häufiger im Winter hier, weil einfach das Nahrungsangebot stimmt“, sagt Lorenz.

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