Radfahren auf der Hannoverschen Straße

Fahrradweg für Sandershausen: Schutzstreifen ab Sommer geplant

Schonraum für Fahrradfahrer: Wie ein Schutzstreifen später auf der Hannoverschen Straße in Sandershausen aussehen könnte, zeigt das Beispiel aus Fuldabrück-Bergshausen. Dort wurde im Zuge der Sanierung des Ostrings ein Fahrradschutzstreifen auf die Straße markiert. Foto: Naumann

Niestetal. Entgegen bisheriger Planungen ist nun doch ein Radweg in Form eines Fahrradschutzstreifens auf der frisch sanierten Hannoverschen Straße (Ortsdurchfahrt Sandershausen) vorgesehen.

Geplant ist, den Schutzstreifen über die gesamte Länge der erneuerten Strecke – insgesamt 3500 Meter – vom Abzweig Heiligenröder Straße bis rauf zum Ortsausgang in Richtung Landwehrhagen auf die Straße aufzumalen.

Schon bei der jüngsten Verkehrsschau im Oktober mit Vertretern der Gemeinde, der Polizei und des Landkreises sei die Einrichtung einer solchen Radverkehrsanlage von allen Akteuren befürwortet worden, sagt Sandra Fleck vom Ordnungsamt Niestetal. „Derzeit handeln wir mit Hessen Mobil aus, wann genau der Schutzstreifen auf die Hannoversche Straße kommt“. Geplant sei, die Markierungsarbeiten noch bis zum Sommer zu erledigen.

„Allerdings wird es keine durchgehenden Schutzstreifen für jeweils jede Fahrtrichtung geben“, sagt Fleck. Es werde nur ein Streifen markiert, der in gewissen Abständen die Fahrbahnseite wechsele (alternierender Schutzstreifen). „So kommen Radfahrer aus beiden Richtungen zumindest streckenweise in den Genuss des Radweges.“

Nur noch 6,5 Meter breit: Dennoch wird es auf der frisch sanierten Hannoverschen Straße (Ortsdurchfahrt Sandershausen) möglich sein, wenigstens einen Fahrradschutzstreifen auf die Fahrbahn aufzubringen.

Keinesfalls deute der Wechsel des Schutzstreifens von der einen auf die andere Straßenseite an, dass auch die Radfahrer die Straßenseite wechseln sollen, sagt Fleck. „Vielmehr fahren die Radfahrer einfach weiter, wenn auf ihrer Seite der Schutzstreifen aufhört“. Ziel ist es, damit die Radfahrer auf der Straße als komplett vollwertige Verkehrsteilnehmer zu etablieren – und eben nicht auf kombinierten Rad-/Gehwegen.

Sandra Fleck

Entgegen noch vor einem Jahr von Hessen Mobil und der Gemeinde Niestetal geäußerten Bedenken ist die Anlage eines Schutzstreifens auf der Hannoverschen Straße nun doch möglich. Zwar wurde die Breite der Ortsdurchfahrt im Zuge der Sanierung von 8 auf 6,5 Meter deutlich verringert. Jedoch lässt diese Breite immer noch die Markierung eines – wenn auch nun alternierenden – Schutzstreifens zu. Für zwei Schutzstreifen (also je einen pro Fahrtrichtung) wäre die Straße jetzt tatsächlich zu schmal (siehe Hintergrund).

Auch Bedenken in Sachen Sicherheit scheinen sich inzwischen zerschlagen zu haben. „Es gibt keinerlei Belege dafür, dass sich die Gefahrenlage für Radfahrer erhöht, wenn sie anstatt auf einem kombinierten Geh- und Radweg nun auf einem Schutzstreifen auf der Straße fahren“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) verweist auf die Verkehrssicherheit von Fahrradschutzstreifen. Weil sie Bestandteil der Straße seien, seien Radfahrer für Autofahrer deutlich besser zu sehen – besonders an Kreuzungen und Zufahrten. Dort ereigneten sich die meisten Unfälle. Nicht zuletzt helfen Schutzstreifen, Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern zu vermeiden, wie sie auf Radwegen oder bei erlaubter Nutzung des Gehweges immer wieder vorkommen, heißt es.

Hintergrund: Schutzstreifen ist Schonraum für Radfahrer

Ein Fahrradschutzstreifen ist eine Radverkehrsanlage, die mit einer unterbrochenen dünnen Markierung und dem Symbolbild „Fahrrad“ auf der Straße markiert wird. Radfahrern wird damit auf der Straße ein gewisser Schonraum eingeräumt. Praktisch heißt das: Der Radverkehr darf grundsätzlich nicht gefährdet werden. Autofahrer dürfen also den Schutzstreifen nur dann überfahren, wenn kein Radfahrer zu sehen ist. Fährt aber ein Radfahrer auf dem Schutzstreifen voraus, muss der Autofahrer so lange dem Fahrradfahrer folgen, bis sich eine Möglichkeit zum sicheren Überholen ergibt. Das heißt: Überholen ist nur dann zulässig, wenn der Autofahrer zum Radfahrer einen Seitenabstand von mindestens 1,50 Meter einhalten kann.

Fahrradschutzstreifen sind nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen in der Regel 1,50 Meter breit anzulegen, mindestens aber 1,25 Meter. Die verbleibende Restfahrbahn muss mindestens 4,50 Meter breit sein. Daher können bei Fahrbahnbreiten unter 7 Metern (wie das bei der Hannoverschen Straße der Fall ist) keine beidseitigen Schutzstreifen angelegt werden. Daher gibt es für Sandershausen jetzt die alternierende Lösung für den Schutzstreifen. Eine Mittelstreifenmarkierung der Straße wird damit ebenfalls wegfallen.

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