Einstweilige Verfügung beantragt

Drama nach Sandershausen-Brand: Familie darf nicht mehr in Wohnung

Von der Entbindungsstation in die Notunterkunft: Großvater Tahssin Albu-Mohammed (41) hält seinen erst vier Tage alten Enkel Ali im Arm. Seit dem Großbrand in Sandershausen ist die Familie in einer Notunterkunft der Gemeinde in Heiligenrode untergebracht. Doch nun sucht sie nach einer dauerhaften Bleibe. Fotos: Schindler

Niestetal. Das Großfeuer in Sandershausen hatte für die Familie Albu-Mohammed dramatische Folgen: Sie hat dabei ihr Zuhause verloren. Doch es kommt noch schlimmer.

Bei dem Brand war unter anderem auch der Edeka-Getränkemarkt niedergebrannt. Die Vermieter haben nun zwei Wohnungen in dem direkt neben der ebenfalls ausgebrannten Autowerkstatt stehenden Mehrfamilienhaus gesperrt. Die aus dem Irak stammende und seit 2006 in Deutschland lebende Familie kann die Räume nicht mehr betreten. Nun gibt es Streit darüber, ob die Wohnungen bewohnbar sind oder nicht.

Aktualisiert um 15.33 Uhr.

Die Mieter haben über ihren Rechtsbeistand eine einstweilige Verfügung beantragt. Kommende Woche wirddas Kasseler Amtsgericht darüber entscheiden, ob die Menschen kurzfristig wieder in ihre Wohnungen dürfen.

22 Menschen lebten zum Zeitpunkt des Unglücks in den sieben Wohnungen des Hauses. Dreizehn von ihnen wurden von der Gemeinde in einer Notunterkunft in Heiligenrode untergebracht, wo ein Teil immer noch wohnt.

Ausgebrannt: Die zerstörte Autowerkstatt (links) wird abgerissen, die Abrissgenehmigung liegt bereits vor. Auch das angrenzende Wohnhaus wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.

Doch Tahssin Albu-Mohammed (41) will mit seiner Familie nicht hier bleiben – nicht zuletzt wegen der fünf Kinder im Alter von drei, vier, neun, elf und zwölf Jahren. Vor vier Tagen wuchs die Großfamilie weiter, der kleine Ali wurde geboren. Und neuer Nachwuchs kündigt sich bereits an, Tochter Aaya (18) ist hochschwanger. Von den Vermietern fühlen sie sich schlecht behandelt. Die hätten sie aufgefordert, eine Erklärung zu unterschreiben, deren Inhalt man aber nicht verstanden habe. Auch Heizung und Strom seien abgestellt und die Schlösser ausgetauscht worden. „Wir haben alle unsere Sachen und auch die Babysachen in der Wohnung und können sie nicht holen“, berichtete Tochter Aaya (18) der HNA.

Diese Darstellung weist Rechtsanwalt Islam Nuredini, der die Eigentümer vertritt, zurück. „Die Familie kann nach vorheriger Anmeldung in die Wohnung gehen, um Sachen zu holen“, sagte er der HNA. Bewohnbar seien die beiden Wohnungen aber derzeit nicht. Man warte auf ein Gutachten zur Standfestigkeit des Gebäudes, das nächste Woche vorliegen solle. Rechtsanwalt Nuredini räumte ein, dass das Verhältnis zwischen Mietern und Eigentümern „sehr vergiftet“ sei. Man wolle das Haus aber so schnell wie möglich wieder bewohnbar machen – schon wegen der Mieteinnahmen, die jetzt ausblieben.

Gemeinde sucht eine Wohnung für die Familie

Die Gemeindeverwaltung steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit der Familie. „Wir unterstützen sie, damit sie eine vernünftige Wohnung findet“, sagte Sandra Fleck, in der Niestetaler Gemeindeverwaltung für den Bereich Soziales zuständig. Wer der Familie eine Wohnung vermieten möchte, kann sich bei der Gemeindeverwaltung Niestetal melden: Tel. 0561/5202120 (Sandra Fleck).

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