Feuerwehr als Schmelztiegel: Niestetal bindet türkische Mitglieder ein

Spender und Beschenkte: Kai Brückmann (stellvertretender Gemeindebrandinspektor, von links), Kadir Tan (Niestetal), Hüseyin Altinkaymak (Kassel), Wolfgang Hubrich (Vorsitzender des Feuerwehrvereins), sein Stellvertreter Hartmut Umbach, Hasan Kücük (vertrat den Spender Remzi Erylmaz, mit Sohn Koray), Engin Caliskan, Ferdie Ersoy (Niestetal), Gemeindebrandinspektor Ingolf Aust, sein Stellvetreter Olaf Liebscher und Bürgermeister Andreas Siebert. Foto: Dilling

Niestetal/Baunatal. Vor zweieinhalb Jahren hat der Deutsche Feuerwehrverband eine Initiative gestartet, um mehr Bürger mit ausländischem Hintergrund für den Dienst in der Feuerwehr zu begeistern. In Niestetal und Baunatal sind türkische Mitbürger in der Feuerwehr aktiv.

Die Feuerwehren sollen sich für kulturelle Vielfalt öffnen. Fachberater für Integration sollen Berührungsängste und Hürden abbauen. Dem Projekt stehe der Landkreis positiv gegenüber, sagte Pressesprecher Harald Kühlborn. Ein flächendeckendes Konzept gibt es allerdings noch nicht. Man stehe am Anfang, räumt er ein.

Der Kreis wisse nicht, wie viele Feuerwehrleute mit ausländischem Hintergrund in den einzelnen Freiwilligen Feuerwehren Dienst tun, sagt Kühlborn. Es werde keine Statistik geführt. Immerhin gibt es in zwei Gemeinden des Landkreises gute Ansätze: Eine ganze Reihe von Jugendlichen unterschiedlicher nationaler Herkunft verrichteten in den Baunataler Jugendwehren bereits ihren Dienst, berichtet Stadtbrandinspektor Dirk Wicke. Er erwarte, dass einige von ihnen bald in die Einsatzabteilungen wechseln.

In Niestetal bekommt der türkisch-stämmige Feuerwehrmann Engin Caliskan, der für die CDU kommunalpolitisch aktiv ist, wohl bald einen Landsmann als Kollegen an der Feuerspritze. Daniel Alan aus Niestetal macht gerade seine Grundausbildung. Daneben hat Caliskan zwölf türkischstämmige Bürger dafür gewonnen, Mitglied im Feuerwehrverein zu werden. Das sei einzigartig in Hessen, meint Caliskan.

Für die Niestetaler Wehr hat es sich schon gelohnt. Vier türkische Mitglieder haben den Brandschützern am Tag der offenen Tür neue Atemschutzmasken im Wert von 1500 Euro gespendet. Türkische Presseleute fotografierten die Übergabe.

Caliskan macht sich dafür stark, dass der Landkreis offensiv um Mitbürger mit ausländischer Herkunft für den Feuerwehrdienst wirbt. Kürzlich hat er mit Landrat Uwe Schmidt (SPD) über das Thema gesprochen. Ich hoffe, dass bis zum Herbst Bewegung in die Sache kommt“, sagt der Feuerwehrmann.

Caliskan kennt allerdings auch die Hürden, die beim Werben um seine Landsleute auftreten können: In der Türkei gebe es keine Freiwilligen Feuerwehren, Brandschützer würden als Vertreter der Obrigkeit angesehen und erst einmal ensprechend mißtrauisch beäugt. „Das sind verschiedene Welten“, sagt er.

Von Peter Dilling

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