Tierschutz

Freilaufende Hunde stören Storch in Sandershausen

+
Große Kälte und Nahrungsknappheit machen dem ansonsten robusten Storch in Sandershausen aktuell zu schaffen: Häufiges Auffliegen durch Störungen führt zu erheblichem Energieverlust, den die Tiere nur noch schwer auffangen können.

Niestetal. Eisekalt ist es seit Tagen im Altkreis Kassel. Auch dem Storchenweibchen in Sandershausen setzen die tiefen Temperaturen ordentlich zu.

Störche sind zwar robust und können auch Minusgrade überstehen. Doch droht neben dem Nahrungsmangel nun auch eine andere Gefahr – „und das sind unangeleinte Hunde“, sagt Hobbyfotograf Johannes Brenner aus Kassel.

Oft habe er in den vergangenen Tagen beobachtet, dass der Storch durch frei laufende Hunde aufgescheucht wurde. „Obwohl die Hundehalter den Storch im Blick hatten und die Hunde in Richtung Storch liefen, wurden sie nicht zurückgerufen oder vorher angeleint“, beschreibt Brenner seine Beobachtungen. Brenner begleitet das Niestetaler Storchenpaar schon seit 2012 mit seiner Kamera.

Tier wird aufgeschreckt

„Wenn Störche aber häufig durch freilaufende Hunde und Spaziergänger gestört werden, verbrauchen sie unnötig viel Energie, was bei der Nahrungsknappheit in dieser kalten Jahreszeit schnell zu einem Problem werden kann“, sagt Brenner.

Das bestätigt auch Manfred Henkel, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden. „Tatsächlich scheint es für den Storch in Sandershausen gerade sehr eng zu sein“, sagt Henkel. „Aber solange er noch fliegt, kann man ihn nicht einfangen, um ihn in einer Vogelstation zu versorgen“, sagt Henkel. Hinweise von Spaziergängern, der Vogel würde bereits zeitweise geschwächt auf dem Boden liegen, könnte laut Nabu Niestetal auch anders interpretiert werden. Denn offenbar nutzt der Storch auch ganz gezielt kleine Erdmulden, um sich sitzend vor dem kalten Wind zu schützen. Dennoch: Um den Vogel weitgehend zu schonen, appelliert Henkel an alle Hundebesitzer, mit entsprechender Umsicht durch die Sandershäuser Wiesen und Felder zwischen Fulda und Nieste spazieren zu gehen. Tatsächlich könne ein zu häufiges Aufscheuchen den Tod des Vogels herbeiführen.

Auch das Ordnungsamt Niestetal schließt sich diesem Appell an. „Die meisten Spaziergänger wissen ja, dass sich dort aktuell der Storch aufhält“, sagt Sandra Fleck, Leiterin des Ordnungsamtes. Deshalb bittet sie darum, sich zurückhaltend zu verhalten und Hunde gegebenenfalls anzuleinen, „auch wenn dort keine Leinenpflicht besteht“. Denn in der Tat mache der Storch aktuell einen ziemlich geschwächten Eindruck.

Viele Wochen zu früh

Doch ob nun Hunde da sind oder nicht – Henkel ist Experte genug, um zu wissen, wie brutal die Natur zu sich selbst sein kann. Denn tatsächlich war das Storchenweibchen schon Anfang Januar aus seinem Winterquartier (vermutlich in Spanien) an das Storchennest zurückgekehrt – also um viele Wochen zu früh. Den weiten Weg nach Afrika hatte der Vogel offenbar gar nicht erst angetreten – wohl wegen der milden Temperaturen in Europa und um sich den enormen Energieaufwand für den Weiterflug nach Südafrika zu sparen.

„Dafür bekommt der Storch jetzt seine Quittung“, sagt Henkel. Noch schlimmer stünde es um ihn, wenn jetzt zudem noch eine geschlossene Schneedecke läge. „So aber findet er noch gerade ausreichend Futter, um sich am Leben zu halten – vor allem Mäuse sind jetzt seine Hauptspeise“, sagt Henkel. Lediglich an den Uferbereichen von Fulda und Nieste könne der Storch noch Würmer finden, „denn dort ist der Boden noch nicht zugefroren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.